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Ein Zinsswap ist ein Zinsderivat, bei dem zwei Vertragspartner vereinbaren, zu bestimmten zukünftigen Zeitpunkten Zinszahlungen auf bestimmte Geldbeträge auszutauschen. Die Zinszahlungen werden meist so festgesetzt, dass eine Partei einen bei Vertragsabschluss fixierten (festgesetzten) Festzinssatz zahlt, die andere Partei hingegen einen variablen Zinssatz. Dieser variable Zinssatz orientiert sich an den üblichen Referenzzinssätzen im Interbankengeschäft. Ein Zinsswap kann sowohl zur Absicherung gegen Zinsänderungsrisiken als auch als Spekulationsinvestment genutzt werden. Optionen auf Zinsswaps werden Swaptions genannt.
Bearbeiten StrukturZinsswaps sind Over-the-counter-Geschäfte: Sie sind nicht wie zum Beispiel Futures genormt, sondern werden zwischen den Vertragsparteien individuell ausgehandelt. Trotzdem gelten im Swap-Markt die Definitionen der International Swaps and Derivatives Association als Standard-Vertragswerk. Diese werden im Allgemeinen über einen Rahmenvertrag zwischen den Vertragspartnern derart festgeschrieben, dass in dem einzelnen Swap lediglich auf den Rahmenvertrag Bezug genommen werden muss. Bei einem Swap verpflichten sich beide Vertragsparteien, jeweils entweder einen fixen oder variablen Zinssatz auf einen bestimmten Nennwert an die jeweils andere Vertragspartei zu zahlen. Es ist möglich, dass die Nennwerte der beiden Parteien nicht übereinstimmen oder auf verschiedenen Währungen lauten. Um den Verwaltungsaufwand gering zu halten und den Verlust zu minimieren, der bei einem Ausfall des Kontrahenten entstehen könnte, werden nicht die kompletten Zinszahlungen getauscht. Stattdessen wird nur die Differenz zwischen den beiden Zinszahlungen gezahlt. Dies wird als Netting bezeichnet. Bei der geläufigsten Form des Swaps wird ein variabler Zinssatz gegen einen fixen Zinssatz getauscht. Während der variable Zinssatz sich an Indices wie zum Beispiel dem 3-Monats-Euribor orientiert und sich über die Laufzeit des Swaps ändert, bleibt der fixe Zinssatz über die Laufzeit fest. Dabei wird der fixe Zinssatz so gewählt, dass der Marktwert des Swaps 0 ist. Ändert sich der variable Zinssatz, wird der zu zahlende variable Zinsbetrag nicht täglich angepasst. Dies geschieht nur an bestimmten Terminen. An diesen Fixing-Terminen wird der variable Zinssatz an den zu Grunde liegenden Index-Zinssatz angepasst bzw. gefixt. Für den Zeitraum bis zum nächsten Fixing wird dann von dem variabel zahlenden Vertragspartner der aus diesem Zinssatz errechnete Zins gezahlt. Die beiden Vertragsseiten (Legs) eines Swaps werden unterschieden in
Bearbeiten BeispielEin Unternehmen hat ein variabel verzinsliches Darlehen: Die Zinsen des Darlehens werden regelmäßig an die Zinsen des Kapitalmarktes angepasst. Um sich gegen steigende Zinsen abzusichern geht dieses Unternehmen einen Payer Swap ein. In diesem zahlt das Unternehmen einen fixen Zinssatz an die Vertragspartei, den Kontrahenten, und erhält im Gegenzug eine variable Zinszahlung. Mit dieser erhaltenen variablen Zinszahlung wird das variable Darlehen bedient. Steigen die Zinsen, steigt der Zinssatz des Darlehenes. Gleichzeitig steigt auch der Zinsbetrag, den das Unternehmen aus dem Swap erhält. Sinken die Zinsen, sinkt sowohl der Zinssatz des Darlehens, als auch der Zinsbetrag, welcher aus dem Swap fließt. Unabhängig davon zahlt das Unternehmen immer den fixen Zinsbetrag an den Kontrahenten des Swaps. Somit hat sich das Unternehmen gegen steigende, aber auch gegen fallende Zinsen abgesichert. Wobei dem Unternehmen durch fallende Zinsen ein Vorteil entgangen ist. Ein Problem für das Unternehmen stellt auch ein Seitwärtstrend in der Zinsstrukturkurve dar. Hier entstehen "Kosten" für den Swap, die ohne die Absicherung nicht entstanden wären. Bearbeiten BewertungDer Wert eines Plain Vanilla Swaps kann mit der Barwertmethode einfach berechnet werden. Dazu werden der Barwert der fixen und der variablen Seite separat bestimmt und zum Barwert des Swaps addiert:
dabei ist PV der Barwert (für englisch Present Value), C der Swapsatz, M die Anzahl der fixen Zahlungen, P das Nominal des Swaps, ti die Anzahl der Tage in der Zinsperiode i, Ti ist die Basis bezüglich der Zinsberechnungsmethode und dfi der Diskontfaktor. Analog ist der Wert der variablen Seite die Summe der Barwerte der einzelnen Zinszahlungen. Dabei ist zu beachten, dass im allgemeinen nur ein Zinssatz der variablen Seite bekannt ist: Jener, welcher bereits gefixt wurde. Die restlichen Zinssätze werden erst in der Zukunft bekannt sein. Entsprechend werden die entsprechenden Forward rates, welche sich aus der am Markt beobachtbaren Zinskurve berechnen lassen, genutzt, um die zukünftigen Zinssätze zu approximieren. Aus diesen Zinssätzen ergibt sich eine Folge von Cashflows, den Zinszahlungen. Diese werden entsprechend der Barwertmethode diskontiert. Der Wert der variablen Seite ist demnach gegeben durch: dabei ist N die Anzahl der variablen Zahlungen, fj die Forward rate, P das Nominal, tj die Anzahl der Tage in der Zinsperiode j, Tj ist die Basis bezüglich der Zinsberechnungsmethode und dfj der Diskontfaktor. Während der Laufzeit eines Swaps kann jederzeit diese Bewertungstechnik genutzt werden, um den Wert eines Swaps zu bestimmen. Über die Zeit ändern sich die Marktzinssätze und damit sowohl die Forward rates, die auf der variablen Seite zur Approximation der variablen Zinssätze genutzt werden, als auch die Diskontfaktoren. Entsprechend ändert sich der Barwert eines Swaps. Bearbeiten Der SwapsatzEs ist üblich, dass bei Abschluss eines Swaps keine Ausgleichszahlung von einen der beiden Kontrahenten an den anderen fließt. Somit muss der Barwert des Swaps zum Zeitpunkt des Abschlusses gleich null sein, da sonst einer der beiden Vertragspartner eine Arbitragemöglichkeit besäße. Betrachtet man den Barwert des Swaps und somit die Summe der Barwerte der beiden Legs, so kann lediglich der Zinssatz der fixen Seite von den beiden Vertragspartnern gewählt werden; sowohl die Diskontierungfaktoren, der am Anfang gefixte Variable Zinssatz als auch die Forward rates sind durch den Markt gegeben. Der fixe Zinssatz C, muss somit so gewählt werden, dass der Barwert der fixen Seite gleich dem Barwert der variablen Seite ist: Es folgt Die Zinskurve, die aus den Swapsätzen für die Swaps mit entsprechenden Laufzeiten zusammengesetzt ist, wird auch Swapkurve genannt. Diese wird z.B. von vielen Banken und Brokern online und über Handelsplattformen kommuniziert. Bearbeiten RisikenZinsswaps enthalten sowohl Marktpreis- als auch Kreditrisiken:
Bearbeiten AnwendungenZinsswaps werden benutzt, um sich gegen Zinsänderungen abzusichern oder mit diesen zu spekulieren. Darüber hinaus kann ein komparativer Zinsvorteil existieren, wenn sich die beiden Swappartner zu unterschiedlichen variablen und fixen Sätzen am Markt refinanzieren können. Bearbeiten Arten von ZinsswapsBearbeiten Plain VanillaDie Standardform eines Swaps wird oft als plain vanilla (sowohl plain als auch vanilla englisch für gewöhnlich) bezeichnet. Gemeint ist der oben beschriebene Austausch von fixen und variablen Zinszahlungsströmen. Bearbeiten Variabel-variabel-TauschBeide Legs des Swaps sind variable Zinssätze zugeordnet. Dies kann z. B. ein Tausch von dem 3-Monats-Zinssatz gegen den 6-Monats-Zinssatz sein. Bei einem Abschluss eines solchen Swaps spekuliert man auf die Steigung der Zinskurve. Darüber hinaus existieren Constant Maturity Swaps, bei denen ein variabler Zinssatz gegen einen regelmäßig angepassten längerfristigen Zins (z. B. 10-Jahres-Zins) getauscht wird. Bearbeiten EONIA-SwapEine andere häufig anzutreffende Swaps-Ausgestaltung ist ein sog. EONIA-Swap. Hierbei wird der Tagesgeldsatz gegen einen variablen oder festen Zinssatz getauscht. Eine Auszahlung der aufgelaufenen Zinsen erfolgt auf der Tagesgeldseite nicht täglich, sondern meist einmal pro Jahr in Form eines gemittelten Zinssatzes. Die Berechnung des gemittelten Zinssatzes simuliert die tägliche Anlage zu dem aktuellen Zinssatz. Der Tagesgeldsatz kann für einen oder am Wochenende für 3 Tage gelten, an Feiertagen auch schon einmal länger. Sind ri (i=1,...,n) die beobachteten Tagesgeldsätze und di die Anzahl der Tage, für die diese Sätze gelten, dann errechnet man den gemittelten Zinssatz r aus der Eigenschaft, dass eine Geldanlage zu diesem Zinssatz den gleichen Zinsertrag liefert wie die Anlage jeweils zu den Tagesgeldsätzen: Bearbeiten Cross Currency SwapBei einem Cross Currency Swap sind die beiden Swap Legs in unterschiedlichen Währungen notiert. So können beispielsweise EUR Zinszahlungen gegen USD-Zinszahlungen getauscht werden. Bei einem Cross Currency Swap ist es üblich, dass am Ende der Laufzeit auch die Nominale getauscht werden. Bearbeiten Forward SwapEin Forward-Swap ist ein Zinsswap, dessen erste Zinsperiode nach einer Vorlaufszeit beginnt. Beim Vergleich des 2-jährigen Swapsatzes mit dem Forward Swapsatz 1 gegen 3 (ein Jahr Vorlaufszeit und eine Referenzperiode von zwei Jahren bei einer Laufzeit von drei Jahren), ist der Forward Swapsatz höher. Bearbeiten Weblinks |
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