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Working Poor (arbeitende Arme) bzw. Erwerbsarmut bezeichnet das Phänomen von Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit nicht vor Armut abgesichert sind. In politischen oder bevölkerungsstatistischen Zusammenhängen wird der Begriff auch als Sammelbezeichnung für diese Gruppe von Menschen verwendet. Der Begriff "Working poor" ist aber in der Literatur nicht einheitlich definiert.[1] Vielfach verwendete Definitionen, die insbesondere in der Schweiz üblich sind, lauten:
Dabei beziehen sich die Begriffe arm und Armutsgrenze im Allgemeinen auf relative Armut und entsprechend die relative Armutsgrenze. Bisweilen werden auch zu den Working Poor diejenigen bezeichnet, die erwerbstätig sind aber in einem Haushalt mit einem Einkommen unter dem Existenzminimum leben. In diesen Definitionen sind Working Poor klar von Beziehern von Tief- oder Niedriglöhnen zu unterscheiden, bei denen das individuelle Erwerbseinkommen unter einer bestimmten Grenze liegt. Die verwendeten Definitionen von Working Poor können von Staat zu Staat verschieden sein. Bei der oben angewandten Definition von Vollzeit-Working Poor ist anzumerken, dass diese in der Schweiz übliche Definition angepasst ist auf das Modell einer quasi-Vollzeitarbeit (im Sinne von mindestens 90% einer 40-Stunden-Wochenarbeitszeit) innerhalb eines Haushalts mit einem einer Versorgerehe entsprechenden Arbeitsvolumen. Bei diesem Modell entspricht also in Paarhaushalten das Arbeitsvolumen insgesamt dem eines (quasi-)Vollzeitbeschäftigten. Diese Definition legt ein Modell des Erwerbsverhaltens zugrunde, das nicht auf alle Staaten anwendbar ist. So mag beispielsweise in Staaten, in denen eine Vollzeitbeschäftigung beider Partner üblich ist, Working Poor anders definiert werden. In den Vereinigten Staaten werden Individuen als Working Poor bezeichnet, die mindestens 27 Wochen erwerbstätig oder erwerbssuchend sind, deren Einkünfte aber unter die offizielle Armutsgrenze fallen. Internationale Vergleichsstudien zu Working Poor basieren im Allgemeinen auf eigenen, standardisierten Definitionen. Einer wissenschaftlichen Studie zufolge wächst um die Jahrtausendwende in allen Ländern das Segment des Arbeitsmarktes, das die Working Poor darstellen; dabei fehlen jedoch internationale Vergleichsdaten. [3] Der Arbeit kommt trotz geringer Bezahlung eine integrative Funktion zu[4], d.h. es ist oft für den Betroffenen besser Working Poor zu sein als arm und arbeitslos.
Bearbeiten Ursachen
Ursachen von Armut trotz Erwerbstätigkeit sind im Wesentlichen prekäre Arbeitsverhältnisse auf Grund anhaltender Strukturkrisen des Arbeitsmarktes. Merkmale prekärer Arbeitsverhältnisse sind:
Bearbeiten Situation in den europäischen LändernBearbeiten Europäische UnionAls armutsgefährdet gilt gemäß Definition der Europäischen Union, wenn jemand weniger als 60 % des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens des Landes zur Verfügung hat (in Österreich: 785 Euro pro Monat). Bearbeiten Deutschland
Die Bundesregierung gibt das soziokulturelle Existenzminimum ("sächliches Existenzminimum") im Jahr 2005 für Alleinstehende mit insgesamt 7.356 Euro jährlich an (Fünfter Existenzminimumbericht[5]). Für Ehepaare wird das Existenzminimum auf 12.240 Euro und für Kinder auf 3.648 Euro beziffert. Das einkommensteuerliche Existenzminimum beläuft sich für Alleinstehende auf 7.664 Euro, für Ehepaare auf 15.328 Euro und für Kinder auf 5.808 Euro (Freibeträge für Kinder).[6] [7] Von den Working Poor sind die Niedriglöhner abzugrenzen (siehe oben). 1994 waren 15,9% und 2003 18,6% der Vollzeitbeschäftigten Niedriglöhner. 2006 arbeiteten 4,6 Mio. für einen Stundenlohn unter 7,50€. Im September 2005 gab es bereits ca. 900.000 Erwerbstätige mit ergänzendem ALG II-Bezug, die trotz ihres Erwerbseinkommens offiziell als bedürftig gelten. Die Anzahl dieser arbeitenden Armen ist weiterhin steigend. Insofern übernimmt ergänzendes ALG II bereits heute faktisch die Funktion eines gesetzlichen bundesweiten Kombilohnes [8]. Nach Daten des Mikrozensus 96 galten 5,5 % aller Erwerbstätigen in Deutschland als arm. Besonders häufig von Armut trotz Arbeit betroffen waren Selbstständige. 8,7 % der Selbständigen galten als arm.[9] Bearbeiten Berufe der Working Poor30% aller Working Poor sind an- und ungelernte Arbeiter. Auch sind Selbständige ohne Beschäftigte sehr oft arm. Erwerbstätige, die nicht Vollzeit arbeiten, haben ein besonders hohes Armutsrisiko, doch sind auch viele trotz Vollzeitarbeit arm.
Am häufigsten arm sind Personen aus folgenden Berufen: Bei den Männern:
Bei den Frauen:
Bearbeiten Schweiz
In der Schweiz sind Working Poor als "erwerbstätige Personen, die in einem die Armutsgrenze unterschreitenden, d.h. armen Haushalt leben" definiert. Als erwerbstätig in diesem Zusammenhang gelten Personen, welche in einem Arbeitsverhältnis stehen, bei dem sie für mindestens eine Arbeitsstunde pro Woche ein Erwerbseinkommen beziehen, und in einem Haushalt leben, dessen Mitglieder insgesamt mindestens 36 Stunden pro Woche gegen Entgelt arbeiten, und zwischen 20 und 59 Jahre alt sind (Definition nach BFS). Der kumulierte Erwerbsumfang der Haushaltsmitglieder bedeutet nichts anderes, als dass insgesamt für den Haushalt eine Vollzeitbeschäftigung von mindestens 90% besteht. In der Schweiz waren im Jahr 2003 jener 20- bis 59-jährigen Erwerbstätigen, die in einem Haushalt mit einem Erwerbsumfang von mindestens einer Vollzeitstelle (ab 90%) lebten arm.[11] Als besonders armutsgefährdete Gruppen unter den Erwerbstätigen nennt das BFS Einelternfamilien (WP: 20.4%) und kinderreiche Familien (WP: 20.5%), Selbständigerwerbende (13.8%), darunter vor allem die "Ich-AGs", unter denen sich 18.3% Working Poor befinden. Auch Erwerbstätige mit befristeten Arbeitsverträgen oder Verträgen "auf Abruf" (WP: 15.9%) sowie WiedereinsteigerInnen (WP: 10.1%) haben trotz Erwerbstätigkeit ein hohes Armutsrisiko. Daneben korreliert der Ausbildungsstand sowie die Herkunft mit dem Armutsrisiko. Die Entwicklung der Anzahl Working Poors in der Schweiz geht zum Teil mit der Entwicklung der Erwerbslosenquote - zeitverschoben um 2 bis 3 Jahre - parallel. Das Bundesamt für Statistik sieht einen statistischen Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und dem Anstieg prekärer Arbeitsverhältnisse, welche ihrerseits wiederum zum Anstieg der Working Poor führen. Diese Zusammenhänge werden durch unabhängige Untersuchungen des seco bestätigt. Bearbeiten Literatur
Bearbeiten Siehe auch
Bearbeiten Weblinks
Bearbeiten Einzelnachweise
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