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Die brennenden Türme des World Trade Centers mit der Freiheitsstatue im Vordergrund
Die Terroranschläge am 11. September 2001 waren vier Selbstmordattentate auf symbolträchtige zivile und militärische Gebäude in den Vereinigten Staaten. Sie wurden von 19 Angehörigen der islamistischen Terrororganisation al-Qaida ausgeführt. Je fünf bzw. einmal vier Attentäter entführten zwischen 8.10 Uhr und etwa 9.30 Uhr Ortszeit (EDT) vier Verkehrsflugzeuge auf Inlandsflügen, lenkten zwei davon in die Türme des World Trade Centers in New York City und eins in das Pentagon in Arlington, Virginia. Das vierte Flugzeug mit unbekanntem Anschlagsziel stürzte nach Kämpfen zwischen Entführern, Besatzung und Fluggästen bei Shanksville in Pennsylvania ab. Bei den Anschlägen kamen mindestens 3.015 Personen, darunter die 19 Attentäter, ums Leben.[1] In New York wurden über 15.000 Menschen rechtzeitig aus der Gefahrenzone evakuiert. Die Ereignisse dieses Tages werden wegen ihrer weitreichenden Folgen weltweit als historische Zäsur betrachtet.[2] Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten George W. Bush leitete daraufhin verschiedene Maßnahmen ein. Die USA führten den Krieg in Afghanistan 2001 und begründeten auch den Irakkrieg 2003 als Reaktion auf die Anschläge. Das in den Vereinigten Staaten verwendete Kürzel „9/11“ (nine-eleven) für die „September 11 attacks“ erinnert an die Notrufnummer in den USA mit der Schreibweise 911 (nine-one-one). Oft werden die Angriffe auch kurz „die Anschläge vom 11. September“ genannt.
Ablauf→ Hauptartikel: Ablauf der Terroranschläge am 11. September 2001
Der Ausfall des Transpondersignals von American-Airlines-Flug 11 um 8:20 Uhr Ortszeit (EDT) war, im Nachhinein betrachtet, das erste Anzeichen der vier Flugzeug-Entführungen. Kurze Zeit später wurde durch einen Anruf der Stewardess dieses Fluges, Madeline Amy Sweeney, an die Bodenkontrolle bestätigt, dass es sich um eine Entführung handelte. Spätere Ermittlungen ergaben, dass diese erste Entführung gegen 8:15 Uhr begann. Zu diesem Zeitpunkt hob United-Airlines-Flug 175 von der Rollbahn ab. Ein Kontakt dieser Entführergruppen untereinander zu diesem Zeitpunkt ist nicht nachgewiesen worden. Gegen 8:38 Uhr wurde NORAD, die zentrale Stelle der Luftverteidigung, von der zivilen Flugaufsicht über den Vorfall informiert verbunden mit der Bitte um eine visuelle Überprüfung von Flug AA 11 durch Militärflugzeuge. Um 8:45 Uhr, ungefähr zur selben Zeit, zu der auch Flug 175 der United Airlines entführt wurde, starteten zwei F-15. Der abgeschaltete Transponder hinderte die Fluglotsen jedoch daran, den F-15-Piloten sofort die aktuelle Position von Flug AA 11 mitzuteilen. Um 8:46 Uhr Ortszeit flog American-Airlines-Flug AA 11 in den Nordturm des World Trade Centers. Zu diesem Zeitpunkt ging man noch von einem Unfall aus. Im Südturm wurden deshalb die Menschen durch Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, Ruhe zu bewahren und an ihrem Arbeitsplatz zu bleiben. 17 Minuten später, um 9:03 Uhr (13:03 UTC) flog das zweite Flugzeug, United-Airlines-Flug 175, in den Südturm des WTC. Damit wurde den Behörden und vielen Zuschauern der Fernsehmeldungen klar, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern einen gezielten Angriff handelte. Das dritte Flugzeug, American Airlines Flug 77, war zwischen 8:50 und 9:00 Uhr entführt worden. Um 9:37 Uhr Ortszeit flog der Jet in das Pentagon in Arlington bei Washington, schlug eine Bresche durch drei Gebäudeteile und löste einen Brand aus. Die Schäden und das nachfolgende Feuer bewirkten dann gegen 10:10 Uhr den Einsturz eines der beschädigten Abschnitte. Dort starben an Bord 64 Personen (6 Crewmitglieder, 53 Passagiere und 5 Entführer) und 125 Menschen im Gebäude. Als Reaktion auf diesen weiteren Angriff wurden gegen 9:45 Uhr alle Flugzeuge unter Androhung eines Abschusses aufgefordert, den nächstmöglichen Flughafen zur Landung anzusteuern. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das vierte Flugzeug, United-Airlines-Flug 93, allerdings schon in der Gewalt der Entführer. Als sein Anschlagsziel wurden später das Weiße Haus, das Kapitol in Washington oder der Landsitz des US-Präsidenten in Camp David vermutet. Seine exakte Flugroute zu diesem Zeitpunkt war und ist unbekannt. Um 10:03 Uhr stürzte es, möglicherweise infolge eines Kampfes zwischen Entführern und einzelnen Geiseln, in der Nähe von Pittsburgh ab. Dabei starben alle 44 Menschen an Bord (33 Passagiere, sieben Crewmitglieder und vier Entführer). Mit zusammen rund 90 m³ Treibstoff wirkten die in das WTC geflogenen Jets wie große Brandbomben. Der Südturm stürzte nach 56 Minuten um 9:59 Uhr, der Nordturm nach 102 Minuten um 10:28 Uhr komplett ein. Über zweitausend Menschen (2.123), darunter 343 Feuerwehrmänner, befanden sich noch in den Türmen und wurden beim Einsturz getötet. Dutzende waren bereits aus den oberen Stockwerken in den Tod gesprungen, da ihnen alle Fluchtwege abgeschnitten waren und sie im Feuer zu ersticken oder zu verbrennen drohten. Fünf weitere Gebäude des WTC, darunter das benachbarte WTC 7, wurden ebenfalls zerstört, ebenso vier U-Bahnstationen. 23 weitere Gebäude, die das WTC umgaben, wurden zum Teil so schwer beschädigt, dass sie später aufgegeben werden mussten. Rettungseinsätze→ Hauptartikel: Die Rettungseinsätze nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 Mit dem Beginn des Rettungseinsatzes hatten die Einsatzkräfte ganz unterschiedliche Probleme zu bewältigen. Zum großen Teil gleichzeitig liefen Aktionen verschiedener Organisationen:
Die Räumung der WTC-Gebäude und des Pentagon rettete vielen tausend Menschen das Leben. Bei den weiteren Arbeiten ab 12. September konnten nur wenige Überlebende in der direkten Nachbarschaft geborgen werden. Aus den Flugzeugen gab es keine Überlebenden. Seit 2005 werden in den USA vermehrt Diskussionen um gesundheitliche Spätfolgen bei Rettungskräften und Überlebenden der Anschläge insbesondere in New York geführt. Bis Mai 2002 waren insgesamt etwa 40.000 Personen bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten an Ground Zero beteiligt. Sie und die Menschen, die in dieser Zeit in der Nachbarschaft gearbeitet und/oder gewohnt haben, waren in unterschiedlich hohem Ausmaß einer Atemluft ausgesetzt, die deutlich mit Schadstoffen belastet war. Die Abschätzung der Anzahl des möglicherweise (auf Langzeitfolgen zu beobachten) und des tatsächlich geschädigten Personenkreises, auch der Anwohnerschaft, bis hin zu frühzeitigen Todesfällen durch Lungenkrebs u. a. hat erst begonnen. Tote und VerletzteBei den Anschlägen starben insgesamt 3.015 bis 3.018 Menschen. Die Opferlisten der Medien weichen dabei etwas voneinander ab.[4] Die amtlichen Zahlen vom 16. August 2002 gaben für New York City die Gesamtzahl von 2.726 Toten an. Sie unterlagen Vorbehalten: Nicht alle Opferfamilien hatten Todesbescheinigungen beantragt, nicht alle Verfahren dazu waren abgeschlossen, einige Angaben von Familienmitgliedern konnten von denen anderer Familienangehöriger oder Behördenunterlagen abweichen. Die Gesamtzahl der Todesopfer setzt sich (ohne Berücksichtigung von späteren Todesfolgen, z.B. durch Aufräumarbeiten) insgesamt zusammen aus
Die meisten Opfer waren Bürger der Vereinigten Staaten, es verloren aber auch zahlreiche Menschen anderer Nationalitäten ihr Leben:[8]
Unter den Opfern jenes Tages befanden sich auch 10 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Das jüngste Opfer war die erst zwei Jahre alte Christine Lee Hanson aus Groton (Massachusetts), die mit ihren Eltern an Bord von United-Airlines-Flug 175 reiste, der in den Südturm des World Trade Center gesteuert wurde.[9] Die Anzahl der akut verletzten Personen wurde bisher nicht mitgeteilt. Als langfristige Folge der Anschläge und der Rettungsaktion wird mit weiteren Todesfällen bei den Helfern gerechnet. Von den im und beim WTC getöteten Personen in New York waren 411 Helfer: 343 Feuerwehrangehörige, 60 Polizisten und 8 weiteres Sanitätspersonal. Nur von etwa 1.600 Personen in New York konnten in den folgenden Jahren sterbliche Überreste durch Befunde identifiziert werden.[10] Die Verteilung der Toten nach Gebäuden des WTC beruht auf Schätzungen der genannten Berichte: Etwas unter 1.400 Opfer gab es in den durch Flugzeugen zerstörten Etagen und den Stockwerken darüber, davon ca. 800 Personen im Nordturm (zuerst getroffen) und 600 im Südturm. Dazu zählen auch die etwa 200 Personen, die aus beiden brennenden Gebäuden stürzten. TäterFlugzeugentführerAlle 19 Flugzeugentführer hatten ihre Flüge mit Klarnamen gebucht. Das FBI[11] und der Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission nannten als ausführende Attentäter:[12]
An den Tatorten gefundene DNS-Spuren bestätigten die Identität von 12 der 19 Attentäter,[13] 15 von ihnen waren Staatsbürger Saudi-Arabiens.[14] Sie hatten die Anschläge jahrelang vorbereitet. Nach ihrer Einreise in die USA hatten sich einige von ihnen in Florida zu Piloten für Passagierlinienflugzeuge ausbilden lassen. Atta war Kopf einer Gruppe, die in Hamburg studiert hatte, und koordinierte alle Attentäter in den USA. Man fand am Bostoner Flughafen sein Gepäck mit einer Kopie seines „Testaments“, das ihn und die übrigen Attentäter als Islamisten auswies.[15] Seine Echtheit wurde im Oktober 2001 von Abdelghani Mzoudi bestätigt.[16] Ramzi Binalshibh, ein Freund Attas in dessen Hamburger Studienzeit, war als 20. Flugzeugentführer vorgesehen. Er durfte jedoch nicht in die USA einreisen. Im Internet und über den Sender Al Dschasira verbreitete Videobänder enthalten frühere Aufnahmen mit einigen der Flugzeugentführer in Trainingslagern der Al Qaida, wo sie ihren letzten Willen verkünden. [17] Mutmaßliche AuftraggeberChalid Scheich Mohammed und Mohammed Atef gelten als Planer der Anschläge. Muhammad Haidar Zammar gilt als Rekrutierer der Ausführenden. Sie gelten als Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida. Die US-Regierung beschuldigt dessen Chef Osama bin Laden, die Anschläge initiiert, in Auftrag gegeben und mitfinanziert zu haben. Dieser stritt in einem Interview anfangs jede Verbindung zu den Anschlägen ab. Im Verlauf des Afghanistankrieges wurde ein Videoband entdeckt, in dem er mit Mitgliedern seiner Gruppe über die Planung der Anschläge sprach und einige ausführende Täter namentlich nannte. In weiteren Erklärungen und Videobotschaften bekannte er sich zu seiner Führungsrolle, zuletzt am 1. November 2004 wenige Tage vor der Wiederwahl von George W. Bush zum US-Präsidenten.[18] Unmittelbare ReaktionenUS-RegierungUS-Präsident Bush befand sich zum Zeitpunkt der Einschläge bei einer Schülervorlesung in Sarasota (Florida). Er wurde wenige Minuten nach dem Anschlag auf den Südturm mit den Worten informiert: "A second plane hit the second tower. America is under attack." (auf deutsch etwa: „Ein zweites Flugzeug schlug im zweiten Turm ein. Amerika wird angegriffen.“) Zuvor hatte er bereits von der Kollision eines Flugzeugs mit dem Nordturm erfahren, auch dass es sich dabei nicht um eine Sportmaschine, sondern um ein großes Verkehrsflugzeug handelte. Er setzte seine Anwesenheit bei der Schulveranstaltung etwa 15 Minuten lang fort. Dann verließ er den Raum, besprach sich kurz mit seinem Stab und gab eine erste Stellungnahme ab. Dann wurde er zum Flugplatz gefahren und bestieg die bereitstehende Air Force One, auch um sich vor möglichen weiteren Anschlägen zu schützen. Am Abend kam er nach Washington. Angehörige der Opfer und VermisstenVerzweifelte Angehörige brachten in den ersten Tagen an Absperrzäunen und Wandflächen Vermisstenanzeigen an. Sehr schnell entwickelten sich diese Orte zu spontanen Gedenkstätten, nachdem weitere Menschen mittels Fotos, Kerzen, Briefen und Gegenständen (z. B. Spielzeug von vermissten Kindern) Anteil nahmen. WeltöffentlichkeitFast weltweit wurde Erschrecken und Mitgefühl mit den Opfern, ihren Angehörigen und der US-Bevölkerung bekundet. Der damalige irakische Staatschef Saddam Hussein dagegen begrüßte die Anschläge in einer öffentlichen Ansprache und rief zu Freudenfeiern auf. Auch in Palästina wurde an einigen Orten gefeiert[19]. Die dortigen radikal-islamistischen Organisationen wiesen jede Beteiligung an den Anschlägen zurück und PLO-Chef Jassir Arafat sprach gegenüber Bush sein Bedauern aus. Mit einer Schweigeminute und Trauerfeiern wurde am 12. September und den Folgetagen in zahlreichen Ländern der Opfer der Anschläge gedacht. Führende Politiker vieler Staaten verurteilten diese in Reden an ihre Bevölkerung und sandten Beileidsschreiben an die USA. Am 15. September 2001 kam es z. B. in Berlin zu einer Solidaritätsdemonstration mit etwa 200.000 Teilnehmern, darunter dem US-Botschafter Daniel Coats. Die Hauptrede hielt der damalige Bundespräsident Johannes Rau. TrauerfeiernIn einer großen, landesweit im Fernsehen übertragenen Trauerfeier im Footballstadion von New York gedachten Vertreter aller in New York beheimateten Gruppen und Religionen gemeinsam der Toten und bekräftigten gegenseitig ihre multikulturelle Toleranz als wesentliches Merkmal der Weltmetropole New York. → siehe auch: Ground Zero zu den verschiedenen Gedenkformen und -orten Wohltätigkeit, Gedenkstiftungen, SelbsthilfeViele Familien und Freunde von Opfern haben Gedenkstiftungen (engl. memorial funds and projects) errichtet, um die durch den Verlust von Familienangehörigen entstehende Not in finanzieller Hinsicht zu lindern und ihr möglichst langfristig vorzubeugen. Oft sind Selbsthilfegruppen entstanden, die spezielle Schwerpunkte haben, die sich aus der Gruppenzusammensetzung ergeben. Dazu gehören neben vielen anderen:
Daneben gab es vielfältige Möglichkeiten den Opfern zu helfen: Blutspenden, kostenfreie Hotelbenutzung, medizinische Versorgung und Medikamente für Menschen ohne legalen Aufenthaltsnachweis (Sans-Papiers), Konzerte oder CDs, deren Einnahmen zum großen Teil an die Funds ging, mietfreier Büroraum für Gruppenzusammenkünfte usw. Die US-Bundesregierung legte ein Acht-Milliarden-US-Dollar-Programm auf, sogenannte Liberty Bonds.[20] ÜbergriffeNeben den offiziellen Maßnahmen gab es kurz nach den Anschlägen in den USA auch durch Rachegefühle motivierte Übergriffe gegen arabisch aussehende Menschen (oftmals auch Turban tragende Sikh) und islamische Einrichtungen. Diese reichten von Beleidigungen über Todesdrohungen und Brandanschläge bis hin zu vereinzelten Morden.[21] Politische KonsequenzenUNOAm 12. September 2001 traten viele nationale sowie internationale Gremien rund um den Globus zu Krisensitzungen zusammen. Bedeutsam unter völkerrechtlicher Perspektive ist dabei die einstimmige Verurteilung des Geschehenen durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Rahmen der Resolution 1368 [22]. NATODarüberhinaus rief die NATO ebenfalls am 12. September 2001 erstmals seit ihrem Bestehen den „Bündnisfall“ aus[23]. Dem zu Grunde lag die gemeinsame Feststellung des Gremiums, dass der stattgefunden habende Terroranschlag als kriegerischer und von außer auf das Staatsgebiet der USA hereingetragener Angriff zu verstehen gewesen sei. Diesem Tatbestand folgte nach rechtlicher Bewertung die sog. Beistandspflicht der Bündnispartner. US-RegierungNeun Tage nach den Anschlägen, am 20. September 2001, hielt US-Präsident Bush eine Rede vor beiden Kammern des Kongresses. Das untermauert die Bedeutung der Ereignisse, da der Präsident der Vereinigten Staaten gewöhnlich nur zur jährlichen Rede zur Lage der Nation vor den Kongress tritt. In seiner Rede bedankte sich Bush im Namen der Vereinigten Staaten für die internationalen Solidaritätsbekundungen, wobei er die besonderen Beziehungen zu Großbritannien betonte.[24] Darüber hinaus identifizierte er al-Qaida unter der geistigen Führung von Osama bin Laden als für die Anschläge verantwortliche Organisation, deren Zentrale er in Afghanistan vermutet und seine unmittelbare Auslieferung verlangte. Andernfalls kündigte er einen „Krieg gegen den Terror“ („war on terror“) an.[25] Des Weiteren führte Bush in seiner Rede drei Gegensatzpaare als Leitlinie der amerikanischen Außenpolitik ein. Zunächst differenzierte er zwischen dem afghanischen Volk einerseits und ihrer Regierung der Taliban andererseits, wobei er deren Menschenrechtsverletzungen kritisierte und unter Androhung von Konsequenzen von ihnen die Auslieferung der Qaida-Angehörigen verlangte.[26] In der zweiten Unterscheidung forderte Bush die internationale Staatengemeinschaft auf, sich dem Krieg gegen den Terror anzuschließen. Diesen Gegensatz stellte er also so bedeutend für die Vereinigten Staaten heraus, dass er aus einer eventuellen Verweigerungshaltung ankündigte, auf eine Komplizenschaft mit dem Terrorismus zu schließen: „Jede Nation muss sich nun entscheiden: Entweder seid ihr auf unserer Seite oder auf der der Terroristen.“.[27] Darüber hinaus sprach er seinen Respekt vor dem Glauben der Muslime aus. Er sah in der Haltung der Qaida einen gotteslästerlichen Gegensatz zum Islam.[28] Nach internen Streitigkeiten vor allem zwischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Außenminister Colin Powell wurde Afghanistan ein Ultimatum zur Auslieferung bin Ladens gestellt. Das Angebot der Taliban, ihn nach islamischem Gastrecht an ein befreundetes islamisches Land auszuliefern, wurde als unzureichend zurückgewiesen. Im September 2002 leitete Bush aus dem Kampf gegen den Terror das Recht der USA auf Präventivkriege ab, was als Bush-Doktrin bekannt wurde. Einerseits gab es verstärkte Zusammenarbeit verschiedener Länder, die zur Festnahme mutmaßlicher Terroristen und zur Zerstörung von angeblichen Terrorgruppen führte, andererseits – hauptsächlich von US-amerikanischer Seite – auch eine Abkehr von internationalen Verträgen und Abmachungen, die vor allem außerhalb der USA zu Irritationen führte. So prägte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Begriff des Alten Europas, womit er diejenigen europäischen Staaten meinte, deren Regierungen sich 2003 gegen den zweiten US-Krieg mit dem Irak wandten – insbesondere Deutschland, Frankreich und Russland. Internationale SicherheitsmaßnahmenInneramerikanisch, unter dem Begriff Disaster Preparedness, und weltweit wurden die Anstrengungen für den Katastrophenschutz, die Flughafensicherheit und Luftsicherheit verstärkt. Sturz der Taliban in AfghanistanEinen Monat nach den Anschlägen begannen die Streitkräfte der Vereinigten Staaten die Bombardierung von Taliban-Stellungen und afghanischer Infrastruktur. Bis zum Jahresende wurde das Regime unter Mullah Omar im Krieg in Afghanistan gestürzt. Dabei arbeiteten die USA auch mit bewaffneten innerafghanischen Oppositionsgruppen zusammen, vor allem der sogenannten „Nordallianz“, eines gegen die Taliban gerichteten Militärbündnisses verschiedener afghanischer Gruppierungen. Bin Laden konnte vermutlich aus einem unterirdischen Versteck in Tora Bora entkommen und im Grenzgebiet zu Pakistan untertauchen. Die im weiteren Verlauf durchgeführten Sicherheits- und Aufbau-Missionen OEF und ISAF werden seitdem auch durch die Bundesrepublik Deutschland mitgetragen und durch Entsendung von Soldaten der Bundeswehr unterstützt[29][30]. Straf- und zivilrechtliche SchritteIm Rahmen des Afghanistankrieges wurden aus der Umgebung der Taliban über 1.000 Verdächtige gefangengenommen, von denen viele bis heute in Haft sind. Bei ihnen handelt es sich größtenteils um Personen arabischer oder asiatischer Herkunft. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Bedingungen, unter denen diese Menschen – die meisten von ihnen auf dem amerikanischen Militärstützpunkt Guantánamo Bay auf der Insel Kuba – gefangen gehalten werden. Im Einzelnen wird ihnen Kontakt nach außen verwehrt, sie werden ohne Anklage festgehalten und ihre Identität wird geheim gehalten. Dadurch werden unabhängige Untersuchungen verhindert. Eine Klage auf öffentliche Verhandlung wurde in der Berufungsinstanz abgewiesen.[31][32] Die US-Regierung definiert die in Guantánamo inhaftierten Personen nicht als Kriegsgefangene im Sinne von Artikel 4 des III. Genfer Abkommens über die Behandlung von Kriegsgefangenen. Nach welchem Recht sie behandelt werden müssen, ist innerhalb der USA selbst und international stark umstritten. Ein Gerichtsspruch im Juni 2008 verpflichtet die US-Regierung diese Gefangenen nach US-amerikanischen Rechtsstandards zu behandeln.[33] Die straf- und zivilrechtlichen Schritte wurden und werden von vielen Nationen mitgetragen. Dieser Kampf wurde in vielen westlichen Ländern zum Anlass genommen, Einreisebedingungen zu verschärfen, Überwachungsmaßnahmen auszuweiten und grundlegende Menschenrechte einzuschränken. Die Volksrepublik China erklärte bereits einige Jahre zuvor einen Krieg gegen den Terror. Durch das Einschwenken der USA auf diesen Kurs wurde die Position der chinesischen Führung gestärkt. Russland erklärte nachträglich seinen Krieg in Tschetschenien als Kampf gegen den Terror, um die Kritik daran abzuschwächen. Als Folge der Terroranschläge führte die Bundesrepublik Deutschland die zu Zeiten der RAF verwendeten Fahndungsmaßnahmen der Rasterfahndung und der Kronzeugenregelung wieder ein und verabschiedete zwei Sammlungen juristischer Detailregelungen, die im politischen Raum als „Antiterrorpakete“ diskutiert wurden. UrsachenforschungSeit 2002 wurden alle relevanten Aspekte - vor allem das Vorwissen der Regierung, die Vorgeschichte und Ausbildung der Täter, der genaue Verlauf der Anschläge, der Umgang der beteiligten US-Behörden damit und die technischen Ursachen der Einstürze - mehrmals sowohl von offiziell beauftragten Behörden wie auch von unabhängigen wissenschaftlichen Institutionen, Universitätsabteilungen und Einzelexperten untersucht. Die technische Seite wurde 2002 erstmals von der FEMA untersucht; nachdem ihr Erstbericht als unzureichend kritisiert wurde, erhielt das National Institute of Science and Technology einen genau definierten Forschungsauftrag, den es in eigener Regie in Einzelaufgaben unterteilte und an Fachexperten delegierte. Für die administrativen Aspekte setzte das Repräsentantenhaus gegen erhebliche Widerstände der US-Regierung eine paritätisch besetzte Untersuchungskommission durch. Diese nahm über ein Jahr nach den Ereignissen ihre Arbeit auf und hatte den Auftrag, Vorgeschichte, Verlauf und administrative Bewältigung der Anschläge zu klären, um mittelfristige politische Schlussfolgerungen zu ermöglichen. Dabei standen die technischen Aspekte nicht im Vordergrund. Einige Repräsentanten der Opfer wurden bei den öffentlichen Hearings angehört. Folgen der Untersuchungen waren u. a. die Änderungen von Einsatzrichtlinien der New York Fire Department, der New York City Police Department, CIA und FBI, die Gründung des Heimatschutzministeriums und die Städte-Kampagne „Preparedness“. 2002
2004
Die Untersuchungskommission kam zu dem Ergebnis, dass Abstimmungsprobleme zwischen verschiedenen Einzelbehörden und fehlende gemeinsame Entscheidungsplattformen die Terrorakte möglich gemacht haben. Zahlreiche Missverständnisse, Informationsmängel, Nichtweitergabe von Befehlen, unklare Vorgaben und falsche Reaktionen auf allen Ebenen - besonders zwischen CIA und FBI bei der Überwachung möglicher Täter im Vorfeld, der Federal Aviation Administration (FAA, zivile Flugaufsicht) und der militärischen Luftabwehr NORAD im Verlauf sowie zwischen Verteidigungsminister und Weißem Haus in der Reaktion - wurden im Detail nachgewiesen und scharf kritisiert. Schlüsse für die Einrichtung effektiver Entscheidungswege und Kompetenzverteilung wurden gezogen und seitdem teilweise umgesetzt. 2005
2006–2007
2008Am 21. August 2008 stellt Shyam Sunder, der Untersuchungsleiter des NIST den in drei Jahren erstellten Final Report zum Zusammensturz des Gebäudes WTC 7 vor.[43] Theorien zu sozialen, ökonomischen und politischen HintergründenZu den längerfristigen und tiefergehenden Ursachen des islamistischen Terrors gibt es verschiedene Theorien: „Antiimperialistische“ Erklärungsmuster machen den Westen – hier wiederum besonders die USA und Israel – aufgrund ihrer angeblich verfehlten Nahostpolitik selbst für den Hass verantwortlich. Die Tatsache, dass bin Laden ein ehemaliger Verbündeter der USA und speziell der CIA war, wird auch als Beweis für eine fatale Außenpolitik gesehen, bei der die Unterstützung militanter Gruppierungen während des Kalten Krieges in den entsprechenden Ländern eine Situation geschaffen habe, die schließlich auf die USA selbst zurückgefallen sei. Dies wird als Blowback bezeichnet. Auch das Versagen der reichen westlichen Industriestaaten gegenüber dem Problem der Armut durch eine einseitige Globalisierung habe dem Terror einen Nährboden geschaffen. Diese Sicht vertreten vielfach linke Intellektuelle wie Noam Chomsky oder Menschenrechtler wie die Inderin Arundhati Roy. Andere Analysen weisen darauf hin, dass bin Laden durch Baugeschäfte seiner Familie in Mekka ein Milliardenvermögen erworben hat und nicht als Vertreter der Armen gelten könne. Auch für die ökonomische Entwicklung Palästinas habe er seine Mittel nicht eingesetzt. Aus kultursoziologischer Perspektive wird das Phänomen des so genannten islamischen Terrorismus auch als Frontbildung gegen kulturelle Modernisierung im jeweiligen Heimatland gedeutet. Die Verunsicherung, die mit dem Brüchigwerden alter tradierter Strukturen und Ideologien einhergeht, wird demnach durch verstärkte Besinnung auf die eigenen Wurzeln (z. B. wird der Salafismus genannt) kompensiert und im terroristischen Kampf gegen die westlichen Repräsentanten jeglicher Modernisierung ausgelebt. Durch den spektakulären Anschlag im Zentrum der westlichen Welt soll die Verletzlichkeit der „Juden und Kreuzfahrer“ demonstriert werden. In diese kultursoziologische Perspektive fügt sich auch die gelegentliche geäußerte Einschätzung des Terrorismus' als „Islamfaschismus“ ein, die im terroristischen Kampf gegen die Weltmacht USA sowie den „Erzfeind Israel“ primär eine Form des Antisemitismus erkennt, die mit ähnlichen Stereotypen und Erklärungsmustern operiere wie der „klassische“ europäische Antisemitismus. Vorgeschichte der al-Qaida→ Hauptartikel: al-Qaida Die Terrorgruppe al-Qaida hat sich etwa seit 1991 – dem Zweiten Golfkrieg der Vereinigten Staaten gegen den Irak und der anschließenden Stationierung von US-Militär in Saudi-Arabien – auf den Kampf gegen „den Westen“ und seine Werte orientiert. Sie sehen die USA als den „großen Satan“, der den „kleinen Satan“ (den Staat Israel) decke, um die islamische Nation zu unterdrücken, zu spalten, ihre Reichtümer auszubeuten und sie an ihrer Einigung und Ausbreitung des Islam zu hindern. Sie sehen den Westen von „Ungläubigen“ und „Kreuzzüglern“ (Juden und Christen) beherrscht. Daraus leiten sie das Recht zum wahllosen Töten von Zivilisten und Bürgern verschiedenster Nationen ab, darunter auch Muslimen in den USA. Einige der Attentäter des 11. September 2001 (die sogenannte Hamburger Zelle), darunter ihr mutmaßlicher Anführer Mohammed Atta, lebten zuvor als Studenten in Hamburg. Dort wurden die Anschläge auf das WTC und das Pentagon angeblich geplant. Nach ihrer Einreise in die USA absolvierten sie dort eine verkürzte Pilotenausbildung. Sie waren dem FBI teilweise bis zu zwei Jahre vor den Anschlägen bekannt und wurden zeitweise überwacht. Den Anschlägen vom 11. September 2001 gingen Anschläge der al-Qaida gegen US-amerikanische Ziele voraus: darunter ein Selbstmordanschlag auf das Kriegsschiff USS Cole (DDG-67) im Jemen, Bombenattentate auf US-Botschaften in Kenia und Tansania sowie ein Sprengstoffanschlag in der Tiefgarage des WTC (1993). Die USA antworteten unter US-Präsident Bill Clinton bereits mit Raketenangriffen auf vermutete afghanische Ausbildungslager der al-Qaida und eine angenommene Chemiewaffenfabrik im Sudan, die sich als Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik entpuppte. In den 1980er Jahren hatten bin Laden und seine Mitstreiter als ausländische Mudjahedin am Partisanenkrieg gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans teilgenommen. Die CIA belieferte die „Gotteskrieger“ mit je zur Hälfte von den USA und Saudi-Arabien finanzierten Waffen und Geheimdienstinformationen. Sie half auch bei deren Ausbildung in Pakistan. Verschwörungstheorien→ Hauptartikel: Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 Die Ereignisse vom 11. September haben zu einer Vielzahl von Verschwörungstheorien geführt. Die sich als Skeptiker bezeichnenden Autoren und Gruppierungen führen zahlreiche Umstände an, die ihnen ungeklärt oder widersprüchlich erscheinen, und schließen daraus auf andere Ursachen und Täter, meist die US-Regierung selbst und ihre Geheimdienste. Manche nehmen an, dass den US-Behörden absichtlich Untätigkeit verordnet wurde, andere behaupten eine direkte Vorbereitung und Durchführung der Anschläge durch die CIA und andere Bundesbehörden. Seit 2005 fordert das „9-11-Truth-Movement“ eine neue unabhängige Untersuchung der Ereignisse. Dies wird mit angeblicher Voreingenommenheit, Auslassungen, Fehlern und Nichtbeachtung von anderen Hypothesen in den offiziellen Untersuchungsberichten begründet. An den bisherigen Untersuchungen beteiligte und nichtbeteiligte Wissenschaftler der USA lehnen diese Forderung jedoch nahezu geschlossen ab, da den vorgebrachten Thesen jede Evidenz und Plausibilität fehle. Künstlerische VerarbeitungMusik
Malerei und BildhauereiNach den Terroranschlägen am 11. September 2001 gestaltete Eric Fischl die Werkreihe ten breaths mit Gouachen und Plastiken, die stürzende und abgestürzte Personen zeigen. Die Skulptur Tumbling Woman, die eine Frau im freien Fall darstellt, wurde in den USA kontrovers diskutiert. Die Werkreihe verarbeitet die Pressebilder von den Verzweifelten, die sich nach den Anschlägen aus den Fenstern der brennenden Türme vom World Trade Center in die Tiefe stürzten, um dem Feuertod zu entgehen. Von Gerhard Richter wurde das Bild „September“ in Auseinandersetzung mit dem Ereignis angefertigt.[44] Literatur
Filme
Es existieren zahlreiche weitere Filme – vor allem Dokumentarfilme in englischer Sprache – zu diesem Thema.[45] NeubebauungDer Freedom Tower (deutsch: Freiheitsturm) wird als Nachfolgebebauung seit dem 27. April 2006 auf dem Ground Zero an der Stelle des zerstörten und abgetragenen World Trade Centers gebaut. Das Hauptgebäude wurde von dem Architekten Daniel Libeskind sowie von David Childs aufgrund des Masterplans von Libeskind entworfen. Dem ging eine lange Diskussion um die Art der Neubebauung voraus. Im Jahr 2002 hatte die Stadt New York zunächst das angesehene Büro Beyer Blinder Belle mit der Erstellung von sechs unterschiedlichen Entwürfen beauftragt. Diese fielen jedoch in der Meinung vieler New Yorker durch, da die darin geplanten Hochhäuser auf dem Gelände niedriger waren als das frühere World Trade Center und vor allem nicht spektakulär genug seien[46]. Der nunmehr in Bau befindliche, von Libeskind entworfene Turm sollte mit 541 Metern (1776 Fuß) ursprünglich das höchste Gebäude der Welt werden, diese Höhe wird jedoch bereits jetzt vom noch nicht fertiggestellten Burj Dubai überschritten. Siehe auchLiteratur
Einzelnachweise
WeblinksAllgemein Bilddokumente
Ablauf
Gedenken
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