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Seligenstadt ist eine hessische Stadt, die am Main liegt. Seligenstadt ist eine der ältesten Städte Deutschlands und war bereits in karolingischer Zeit von großer Bedeutung.
Bearbeiten GeografieBearbeiten Geografische LageSeligenstadt ist eine von 13 Städten und Gemeinden im Landkreis Offenbach. Die Stadt liegt ca. 25 km südöstlich von Frankfurt am Main am linken Flussufer des Main, direkt benachbart zu Bayern. Bearbeiten NachbargemeindenSeligenstadt grenzt im Norden an die Gemeinde Hainburg, im Osten an die Gemeinde Karlstein (Landkreis Aschaffenburg), im Südosten an die Gemeinde Mainhausen, im Süden an die Stadt Babenhausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) sowie im Westen an die Stadt Rodgau. Bearbeiten StadtgliederungSeligenstadt besteht aus den drei Stadtteilen Seligenstadt, Klein-Welzheim und Froschhausen. Bearbeiten GeschichteBearbeiten AntikeUm das Jahr 100 n. Chr wurde in der Herrschaftszeit des römischen Kaisers Trajan ein Kohortenkastell auf dem Gebiet des heutigen Seligenstädter Marktplatzes und Teilen der heutigen Altstadt erbaut. Seit dem 16. Jahrhundert wird dem Kastell der Name „Selgum“ zugeschrieben. Die dort stationierten 500 Legionäre und Hilfstruppen gehörten zu der in Mogontiacum (Mainz) stationierten römischen 22. Legion. Die Kohorte hatte den Namen Cohors I Civium Romanorum equitata und war für die Sicherheit des am Main verlaufenden Limesabschnittes (auch:Obergermanischer Limes) verantwortlich. Mit dem Fall des Limes während der Alamannenstürme um das Jahr 260 n. Chr. wurde das Kastell aufgegeben, und die Römer zogen sich wieder hinter die Rheinlinie zurück. Auf den Trümmern des ehemaligen Kastells und auf dem heutigen Klosterareal entstand im Talabschnitt des Breitenbaches die frühmittelalterliche Siedlung „Mulinheim superior“, Obermühlheim.
Heutige Frontalansicht der Einhard-Basilika
Bearbeiten MittelalterSeligenstadt wurde am 11. Januar 815 zum ersten Mal in einer Schenkungsurkunde urkundlich erwähnt -- damals mit dem Namen Obermühlheim. Die Stadt wurde von Einhard, dem Biographen Karls des Großen, gegründet. Nachdem er die fränkische Siedlung Obermulinheim 815 von Ludwig dem Frommen als Schenkung erhalten hatte, begründete er hier ein Benediktinerkloster. Als ein früherer Besitzer wird ein Graf Drogo genannt. Die in Rom gestohlenen Gebeine der Märtyrer Petrus und Marcellinus wurden aus der Basilika in Steinbach im Odenwald nach Obermühlheim überführt. Deshalb änderte sich schon bald der Ortsname von Obermühlheim zu Seligenstadt. Um 830 wurde mit dem Bau der Einhard-Basilika begonnen, dem Wahrzeichen der Stadt am Untermain.
Ehemalige Benediktiner-Abtei in Seligenstadt
1028 wurde in der Stadt eine römisch-katholische Synode abgehalten, deren wichtigstes Ergebnis die Einführung des Quatember mit strengen Fastenregeln war. 1063 bestätigt Kaiser Heinrich IV. dem Erzbischof von Mainz die Rechtmäßigkeit seines Besitzes der Abtei. Kaiser Friedrich Barbarossa hält 1188 einen Hoftag in Seligenstadt ab. Während seiner Regierungszeit erhält der Ort Stadtrechte und ein Königshof (Palatium) wird am Mainufer gebaut. Bearbeiten Reformationszeit und Renaissance1527 wird durch Erzbischof Albrecht von Mainz eine neue Stadtordnung erlassen, wodurch die Rechte der Seligenstädter Bürger stark eingeschränkt werden. Während des Dreißigjährigen Krieges verwaltet um 1631 ein schwedischer Kommissar die Abtei im Auftrag König Gustav Adolfs. Der Schwedenkönig hatte die Stadt gegen Kontributionszahlungen der Seligenstädter Bürger vor Zerstörung und Brandschatzung verschont. Als er mit seinem Heer weiterzog, plünderten die zurückgelassenen Besatzungssoldaten trotzdem Stadt und Abtei. 1685 werden Abt- und Konventsgebäude neu errichtet. Bearbeiten NeuzeitDurch die Säkularisation von Kurmainz 1803 kommt das Amt Seligenstadt an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt und die Abtei wird aufgelöst. 1832 wurde der Landratsbezirk Seligenstadt in den Landkreis Offenbach eingegliedert und 1882 die Eisenbahnstrecke Hanau-Seligenstadt-Eberbach eröffnet. Bearbeiten Moderne1977 werden im Zuge der hessischen Kommunalgebietsreform die Nachbarorte Froschhausen und Klein-Welzheim zwangseingemeindet. Bearbeiten StadtlegendenBearbeiten Legende von der Umbenennung SeligenstadtsEiner Legende zufolge soll die Umbenennung der Stadt nicht aufgrund der Lagerung der Gebeine von St. Petrus und St. Marcelinus geschehen sein, sondern weil der bereits erwähnte Einhard, der ein Berater Karls des Großen war, mit dessen Tochter Emma ausgerissen war. Er lebte mit ihr in Obermulinheim. Der Kaiser zog eines Tages durch diese Stadt und betrat dort das Gasthaus, in dem seine Tochter Emma mittlerweile arbeitete. Sie servierte ihm Pfannkuchen, und der Kaiser erkannte den unvergleichlichen Geschmack. Daraufhin soll der bekannte Ausspruch Selig sei die Stadt genannt, da ich meine Tochter Emma wiederfand entstanden sein, der auch heute noch auf dem Erker des sogenannten Einhardhauses (erneuert 1596) in Seligenstadt zu finden ist. Infolgedessen wurde die Stadt selig genannt, der Name Seligenstadt war entstanden. Bearbeiten BrauchtumBearbeiten Seligenstädter GeleitDas Seligenstädter Geleit ist ein in der Bundesrepublik Deutschland einmaliger Brauch aus dem frühen Mittelalter, welcher sich in abgewandelter Form bis heute erhalten hat. Im Mittelalter zogen Verbände von Kaufleuten mit ihren Pferdefuhrwagen aus allen Himmelsrichtungen zur Frankfurter Messe. Kaufleute aus Augsburg und Nürnberg mussten über den Spessart oder am Main entlang bis zum Rastplatz Seligenstadt ziehen. Der Weg war gefährlich, da die reichen Kaufleute für Wegelagerer und Raubritter ein lohnendes Ziel darstellten. Deshalb stellte der Stauferkaiser Friedrich II. im Jahre 1240 die Kaufleute durch einen „Geleitsbrief“ unter kaiserlichen Schutz. Jeder betroffene Landesherr war seitdem verpflichtet, den Durchreisenden gegen Entgelt bewaffneten Geleitsschutz zu gewähren. In der Nähe von Seligenstadt wurde die Geleitstruppe gewechselt. Kurmainzer Geleitsoldaten übergaben den Geleitszug an Frankfurter Schutztruppen. Aus dieser Zeit stammt der „Hänselbrauch“ unter den Kaufleuten, welcher später zum Rechtsbrauch wurde. Neulinge mussten den einen Liter Wein fassenden Geleitslöffel mit einem Zug restlos austrinken, um in die Kaufmannsgemeinschaft aufgenommen zu werden. Wer die sogenannte „Nagelprobe“ nicht bestand, musste die Gilde „freihalten“, d. h. die Verpflegung bezahlen. Dieser Brauch ist in gemäßigter Form bis heute in Seligenstadt der Höhepunkt des alle vier Jahre stattfindenden Geleitsfestes. Bearbeiten Seligenstädter FastnachtDie Stadt Seligenstadt ist überregional bekannt für ihren Fastnachtszug, welcher sich traditionell am Rosenmontag durch die historische Innenstadt und das angrenzende Stadtgebiet schlängelt. Nachweislich existiert dieser Rosenmontagszug seit dem Jahr 1859. In heutiger Zeit besitzt der Zug mehr als einhundert aufwendig gestaltete Zugnummern und lockt mit dieser Attraktion durchschnittlich vierzigtausend interessierte Besucher aus nah und fern an. In der Fastnachtszeit nennen sich die Seligenstädter Narren „Schlumber“ und ihre Stadt „Schlumberland“. Jedes Jahr wird für die Faschingszeit ein Prinzen- und ein Kinderprinzenpaar gekürt, welche das „Schlumberland“ regieren. Seligenstadt ist auch eine von wenigen Städten, die zwei Faschingsumzüge haben. Neben dem Rosenmontagsumzug gibt es jedes Jahr sonntags den Kinderfaschingsumzug. Bearbeiten PolitikBearbeiten StadtverordnetenversammlungDie Kommunalwahl am 26. März 2006 lieferte folgendes Ergebnis:
Damit haben die Wähler die seit dem Jahre 2001 bestehende absolute Mehrheit der CDU bestätigt. Die Stadtverordnetenversammlung hat vier Ausschüsse:
Bearbeiten StädtepartnerschaftenSeligenstadt unterhält eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Triel-sur-Seine (seit 1967) und der amerikanischen Stadt Brookfield (seit 2. September 2008). Im März 2008 wurde die seit 1972 mit der niederländischen Gemeinde Heel bestehende Partnerschaft beendet. Dies geschah auf Wunsch der Gemeinde Maasgouw, in die die vormaligen Gemeinden Heel, Maasbracht und Thorn zum 1. Januar 2007 fusioniert wurden. Die Partnerschaft mit Heel ging auf die Partnerschaft der früher selbständigen und jetzt zu Seligenstadt gehörenden Gemeinde Klein-Welzheim mit der niederländischen Gemeinde Wessem, die dann zu Heel gehörte, zurück. Bearbeiten Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bearbeiten Sakrale BauwerkeBedeutendster Bau Seligenstadts ist die Einhard-Basilika mit Reliquien der Heiligen Marcellinus und Petrus; seit 1925 trägt sie den vom Papst Pius XI verliehenen Ehrentitel einer Basilika minor. Obwohl der Bau im Laufe der Jahrhunderte stark verändert wurde, handelt es sich dennoch um eine der eindrucksvollsten Basiliken mit karolingischer Bausubstanz nördlich der Alpen. Die südlich angrenzende, 1803 aufgehobene Benediktiner-Klosteranlage mit barocken Flügelbauten und großflächigen Hof- und Gartenanlagen wurde in vollem Umfang restauriert. Bearbeiten Profane BauwerkeAus der Zeit Friedrich Barbarossas (12. Jahrhundert) stehen noch zwei Relikte: Vom Palatium am Mainufer, auch Rotes Schloss genannt, steht nur noch die Mainfront mit Doppel- und Dreifacharkaden mit Überfangbögen aus rotem Sandstein. Mit 47 m x 14 m Grundfläche war der Rechteckbau im Vergleich zu anderen Kaiserpfalzen vergleichsweise klein; vermutlich hat der Kaiser die Anlage als Wochenendresidenz oder Jagdschlösschen benutzt. Die ersten Restaurierungsarbeiten haben 1938 stattgefunden; die Rekonstruktionsarbeiten an der Süd- und Westwand sind seit 1996 im Gange. Aus gleicher Zeit stammt das so genannten Romanische Haus in massiver Bauweise aus Stein, großen Arkaden im Sockengeschoss, im 1. Geschoss Doppelarkaden mit Mittelsäule und Überfangbogen und einer Blendarkade unter dem Staffelgiebel. 1187 war das Gebäude Vogtei und 1188 Schauplatz des Hoftags Barbarossas. Restauriert wurde es 1984, und im 21. Jahrhundert finden hier kulturelle Veranstaltungen statt. Die im 12. Jahrhundert angelegte und im 15. Jahrhundert verstärkte Stadtbefestigung hatte ursprünglich 4 Tortürme und 6 Bollwerkstürme. Von den Stadttoren ist nur das Steinheimer Tor von 1603–1605 erhalten, von den Bollwerktürmen stehen noch drei. Die Mainfront des Palatiums war in die Stadtmauer, zu der auch Wall- und Grabenanlagen gehörten, integriert. Der größte Teil der Stadtbefestigung wurde im 19. Jahrhundert abgerissen. Das Rathaus am Marktplatz wurde 1823 erneuert und fällt als einziger klassizistischer Bau mit großen Arkaden inmitten von Fachwerkhäusern architektonisch aus dem Rahmen. Zwei Wappensteine mit Drachenköpfen sind vom 1539 dokumentierten Vorgängerbau integriert. Der quadratische Turm stammt von der ehemaligen Pfarrkirche, die abgerissen wurde, als die städtische Pfarrei die Einhard-Basilika 1812 nach Aufhebung der Benediktinerabtei übernahm. Bearbeiten FachwerkarchitekturSeligenstadt besitzt eine Vielzahl von historischen Gebäuden und Fachwerkhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die teilweise unter Denkmalschutz stehen. Deshalb ist die Stadt auch Teil einer der neun Routen der Deutschen Fachwerkstraße (Route Rhein-Main-Odenwald). Die meisten dieser zwei- bis dreigeschossigen Fachwerkhäuser gibt es am Marktplatz und in den umliegenden Straßenzügen (insbesondere Steinheimer Straße, Kleiner und Großer Fischergasse, Kleiner und Großer Maingasse, Freihofstraße). Beispiele sind am Markt die Alte Schmiede (Nr. 13, heute Restaurant), Markt 7 und 10, die historische Apotheke mit Emblem des Apothekers mit Mörser, das so genannte Einhard-Haus von 1596 mit reich dekoriertem Erker, das Haus Steinheimer Straße/Ecke Stadtmühlengasse (1697), Freihofplatz 3 (1567), das kleine Haus Freihofstraße 4 (Andenkenladen) und viele andere. Mit dem Fachwerk-Viertel Klaa-Frankreich in der Rosengasse hat es eine besondere historische Bewandtnis: Nach dem 30-jährigen Krieg siedelte Abt Leonhard Colchon Menschen aus seiner wallonischen Heimat hier an, nachdem die lokale Bevölkerung durch Kampfhandlungen, Hungersnot und Pest dezimiert war. Personennamen wie Beike, Massoth, Bonifer, Dutine, Oger und Assian deuten noch auf diese frankophone Besiedlung. Bearbeiten Bauwerke außerhalb des Stadtzentrums
Bearbeiten Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten VerkehrSeligenstadt besitzt eine eigene Autobahnanschlussstelle an der Bundesautobahn A 3 und ist damit nicht nur an den überregionalen Verkehr in Deutschland, sondern auch Richtung Niederlande und Österreich gut angebunden. Der Bahnhof Seligenstadt liegt an der Bahnstrecke Hanau – Groß-Umstadt Wiebelsbach (- Erbach) (Odenwaldbahn). Bearbeiten GerichteSeligenstadt verfügt über ein Amtsgericht, das zum Landgerichtsbezirk Darmstadt und zum OLG-Bezirk Frankfurt am Main gehört. Bearbeiten Medien
Bearbeiten Schulen
Bearbeiten PersönlichkeitenBearbeiten Ehrenbürger
Die ehemals selbständige Gemeinde Froschhausen ernannte 1976 den langjährigen Kommunalpolitiker Josef Happel zum Ehrenbürger. Verstorben sind bereits die Ehrenbürger Froschhausens Dr. Ernst Braun und Pfarrer Josef Gremm. Diese beiden Personen wurden mit Straßenbenennungen in Froschhausen geehrt. Bearbeiten Söhne und Töchter der Stadt
Bearbeiten Weitere Persönlichkeiten in Seligenstadt
Bearbeiten Die Mainfähre
Die heutige Mainfähre (früher „Newe“ genannt) ist eine freifahrende Wagenfähre und überquert den Main bei Mainkilometer 69,60. Sie ist seit 1971 in Betrieb. Vor ihr gab es bereits zwei oder drei (die genaue Anzahl ist heute nicht mehr feststellbar) Fähren, die die hessische Stadt Seligenstadt mit der bayerischen Mainseite – Gemeinden Kahl und Dettingen – verbinden. Sie wird von den Seligenstädter Stadtwerken betrieben und fährt jedes Jahr hohe Verluste ein, unter anderem wegen der hohen Verwaltungskosten. Deswegen wurde schon des Öfteren darüber diskutiert, ob nicht anstelle der Fähre eine Brücke über den Main gebaut werden sollte, (wie dies in Mainflingen geschehen ist) oder die Autofähre durch eine reine Fußgänger-/Radfahrer-Fähre ersetzt werden soll. Man spielt auch mit dem Gedanken die Fähre von einer privaten Firma betreiben zu lassen, um so Kosten einsparen zu können. Sie ist eine von zwölf Fähren, die den Main heute noch überqueren. Bearbeiten GeschichteSchon seit dem neunten Jahrhundert gibt es eine ständige Verbindung über den Main, da das Seligenstädter Kloster das Recht hatte, Personen und Güter auf die andere Mainseite zu befördern. Gegen Geld oder Naturalien wurde dieses Recht weitergegeben, woraus sich die „Fährgerechtigkeit“ entwickelte. Diese „Fährgerechtigkeit“ blieb meist viele Jahre im Besitz einer Familie und konnte weitervererbt werden. Als 1803 das Kloster aufgelöst wurde, ging das Fährrecht auf das Großherzogtum Hessen über. Im Jahr 1868 übernahm die Stadt Seligenstadt alle Rechte und Privilegien zur Mainfahrt von den damaligen Fährleuten. Die Stadt verpachtete damals das Fährrecht an den Höchstbietenden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Stadt die Fähre wieder. Bearbeiten Literatur
Bearbeiten Weblinks
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