Der Nationalpark Iguaçu in Brasilien stand 1999−2000 auf der Roten Liste. Der Druck führte dazu, dass eine durch den Park verlaufende Straße nicht wieder eröffnet wurde
Die Rote Liste wird von der UNESCO geführt. Ihre Grundlage ist die von 184 Staaten unterzeichnete Welterbekonvention. Von denjenigen Kultur- und Naturmälern, die auf der Liste des Welterbe geführt werden, hebt die UNESCO mit der Roten Liste solche hervor, deren Bestand und Geltung durch ernste und spezifische Gefahren, wie Beschädigung, Zerstörung oder Verschwinden, bedroht sind. Die UNESCO mahnt für diese Stätten außerordentliche Schutzanstrengungen an.[1]
Gründe für Bedrohungen sind vielfältig. Landerschließung, Urbanisierung, Naturkatastrophen, kriegerische Auseinandersetzungen, Rodung, Wilderei, Vandalismus, Vernachlässigung und ausgedehnter Tourismus etc. können Welterbestätten gefährden. Bedrohungen können bereits festgestellt sein, wie z. B. der erfolgte Abriss von Gebäuden, oder nur möglich, wie z. B. fehlende gesetzliche Grundlagen für den Schutz.
Eine erfolgte Aufnahme in die Rote Liste ist stets ein Aufruf an die internationale Staatengemeinschaft. Die Antragstellung erfolgt seitens der UNESCO oder seitens des betroffenen Staates. Die Aufnahme erfolgt durch das Welterbekomitee mit einer Mehrheit von zwei Dritteln. Die Staatengemeinschaft soll sich finanziell, technisch und politisch an Schutz und Rettung beteiligen. Das Welterbekomitee verfügt auch über eigene Geldmittel, aus denen Hilfsmaßnahmen finanziert werden können. Manches Mal droht das Welterbekomitee, eine Stätte gegen den Willen des Staates, auf dessen Territorium sie liegt, in die Rote Liste aufzunehmen. Allein diese Ankündigung, so hat sich gezeigt, kann in manchen Ländern erhebliche Erhaltungsanstrengungen in Gang setzen.
“...the Committee is of the view that its assistance in certain cases may most effectively be limited to messages of its concern, including the message sent by inscription of a property on the List of World Heritage in Danger and that such assistance may be requested by any Committee member or the Secretariat.”
„...das Komitee ist der Auffassung, dass seine Unterstützung in bestimmten Fällen am zweckmäßigsten auf Mitteilungen über seine Besorgnis, darunter die Mitteilung über die Eintragung eines Gutes in die Liste des gefährdeten Erbes der Welt, beschränkt werden kann und dass solche Unterstützung von jedem Mitglied des Komitees oder vom Sekretariat beantragt werden kann.“
– Durchführungsbestimmungen zur Welterbekonvention[2], Ziffer 177
Nach der Eintragung formuliert das Welterbekomitee ein Programm für Abhilfemaßnahmen und versieht es mit einem Zeitplan. Obwohl versucht wird, diese Maßnahmen mit dem betroffenen Staat abzustimmen, ist eine Verabschiedung auch gegen dessen Willen möglich. Es überwacht die Maßnahmen zum Schutz der Stätte und stellt fest, ob jener Geltungswert, der ursprünglich zur Eintragung in die Welterbeliste Anlass gab, wieder hergestellt wird. Erst dann kann eine Stätte wieder von der Roten Liste gestrichen werden.[3]
Von der Möglichkeit, eine Stätte statt dessen gänzlich von der Welterbeliste zu nehmen[4], wurde inzwischen erstmalig Gebrauch gemacht: 2007 wurde das Wildschutzgebiet der Arabischen Oryx in Oman gestrichen, nachdem der Staat die Größe des Schutzgebietes um 90% verkleinert hatte.[5]
Bearbeiten Einträge in der Liste
2008 befanden sich von den 878 Welterbestätten 30 Stätten auf der Roten Liste.
- Stätten des Naturerbes sind mit einem „N“, Stätten des Kulturerbes mit einem „K“ markiert.
- Denkmäler, die sowohl dem Weltkultur- als auch dem Weltnaturerbe angehören, tragen ein „K/N“.
| Rote Liste seit |
Stätte |
Staat |
Typ |
Welterbe seit |
Gründe |
| 1982 |
Altstadt und Stadtmauer von Jerusalem |
Israel (auf Vorschlag von Jordanien) |
K |
1981 |
Angesichts des unklaren Rechtsstatus von Jerusalem ist die Erhaltung der Altstadt ein besonderes Problem. Zuletzt waren Arbeiten an der Rampe zum Dungtor umstritten. |
| 1986 |
Ruinenstadt Chan Chan |
Peru |
K |
1986 |
Die Ruinen sind auf Grund der Klimaveränderungen, Anstieg des Grundwassers und illegale Ansiedlungen auf dem Gelände immer schwereren Zerstörungen ausgesetzt. |
| 1992 |
Naturschutzgebiet Nimba-Berge |
Elfenbeinküste, Guinea |
N |
1981 |
In Guinea ist der Abbau von Eisenerz geplant, in Elfenbeinküste haben Rebellen die Kontrolle, und Flüchtlinge haben im Park Lager errichtet. |
| 1992 |
Manas-Nationalpark |
Indien |
N |
1985 |
Nach einem Anschlag einer Bodo-Separatistengruppe war der Park weitestgehend zerstört. Wiederaufbau und Stabilisierung der Tierpopulation gehen langsam voran. |
| 1992 |
Naturparks Aïr und Ténéré |
Niger |
N |
1991 |
Die Aufstände der Tuareg führten zur Aufnahme, die verschiedenen politischen Umbrüche und zu geringes Engagement der Regierung haben eine Streichung von der Liste bisher verhindert. |
| 1994 |
Nationalpark Virunga |
Demokratische Republik Kongo |
N |
1979 |
Eine Flüchtlingswelle, die nach dem Völkermord in Ruanda in die Region drängte, bedrohte den Baumbestand des Parks. Noch immer agieren bewaffnete Gruppen in der Region. |
| 1996 |
Nationalpark Simien |
Äthiopien |
N |
1978 |
Schrumpfen der extrem kleinen Population des Äthiopischen Steinbocks und zunehmende menschliche Ansiedlungen im Gebiet des Parks. |
| 1996 |
Nationalpark Garamba |
Demokratische Republik Kongo |
N |
1980 |
Die Breitmaulnashörner wurden durch Wilderei fast ausgerottet. Die unklare politisch-militärische Situation spricht gegen eine baldige Streichung des Parks von der Liste. |
| 1997 |
Nationalpark Kahuzi-Biega |
Demokratische Republik Kongo |
N |
1980 |
Die Berggorillas sind in ihrem Bestand stark gefährdet, die tiefer liegenden Regionen des Parks werden von einer ruandischen Rebellengruppen als Operationsbasis genutzt. |
| 1997 |
Okapi Tierschutzgebiet |
Demokratische Republik Kongo |
N |
1996 |
Entwaldung durch Brandrodung für die Landwirtschaft und kommerzielle Jagd zum Verkauf von Wildfleisch, sowie der Abbau von Gold und Coltan bedrohen den Park. |
| 1997 |
Nationalpark Manovo-Gounda St. Floris |
Zentralafrikanische Republik |
N |
1988 |
Organisierte Wilderei hat den Tierbestand des Parks massiv vermindert. |
| 1999 |
Nationalpark Salonga |
Demokratische Republik Kongo |
N |
1984 |
Der allgemeine Zusammenbruch von Recht und Ordnung in der Region resultierte in Plünderungen und der Desertierung eines Teils der Bewacher des Parks. |
| 2000 |
Medina von Zabid |
Jemen |
K |
1993 |
Der historische Suq wird nicht mehr genutzt, viele Gebäude sind durch moderne Betonbauten ersetzt worden. |
| 2000 |
Festung und Shalimar-Gärten in Lahore |
Pakistan |
K |
1981 |
Zwei der drei Zisternen, die die Gärten bewässern, wurden zu Gunsten des Baus einer Straße zerstört. |
| 2001 |
Frühchristliche Ruinen von Abu Mena (Kloster des Hl. Menas) |
Ägypten |
K |
1979 |
Ansteigendes Grundwasser infolge eines Bewässerungsprojektes zerstört die Fundamente. |
| 2001 |
Reisterrassen in den philippinischen Kordilleren |
Philippinen |
K |
1995 |
Mit dem abnehmenden Interesse der Ifugao an ihrer traditionellen Kultur werden auch die Reisterrassen immer weiter vernachlässigt. |
| 2002 |
Minarett und archäologische Funde von Jam |
Afghanistan |
K |
2002 |
Das Minarett drohte vom Fluss unterspült zu werden und steht nicht mehr senkrecht. Es bestehen noch keine Strukturen zum Schutz der Stätte. |
| 2003 |
Kulturlandschaft und archäologische Stätten des Bamiyan-Tals (z. B.Buddha-Statuen von Bamiyan) |
Afghanistan |
K |
2003 |
Nachdem 2001 die Statuen von den Taliban zerstört wurden, drohen ihre Nischen einzustürzen. In Teilen des Tals liegen noch Landminen. |
| 2003 |
Innenstadt von Baku mit dem Palast der Schirwanschahs und Jungfrauenturm |
Aserbaidschan |
K |
2000 |
Nach Beschädigungen durch ein Erdbeben 2000 beschleunigt sich die unkontrollierte Bautätigkeit in der Altstadt. |
| 2003 |
Nationalpark Comoé |
Elfenbeinküste |
N |
1983 |
Durch den Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste hat die Wilderei stark zugenommen. |
| 2003 |
Assur |
Irak |
K |
2003 |
Durch den Bau des Makhul-Staudammes drohten die Ausgrabungsstätten überflutet zu werden. Obwohl das Projekt aufgegeben wurde, bleiben die allgemeinen Sicherheitsprobleme bestehen. |
| 2004 |
Bam und seine Kulturlandschaft |
Iran |
K |
2004 |
Bam wurde 2003 durch ein Erdbeben zerstört. |
| 2004 |
Ruinen von Kilwa Kisiwani und Songo Mnara |
Tansania |
K |
1981 |
Fehlende Maßnahmen, um den Verfall der Ruinen aufzuhalten. |
| 2005 |
Humberstone- und Santa-Laura-Salpeterwerke |
Chile |
K |
2005 |
Fast fünfzig Jahre nach Aufgabe der Werke haben der Wüstenwind und Diebstähle erhebliche Zerstörungen angerichtet. Einige der Gebäude sind akut einsturzgefährdet. |
| 2005 |
Altstadt von Coro |
Venezuela |
K |
1993 |
Schwere Stürme in den Jahren 2004/05 haben in der Stadt zahlreiche Schäden angerichtet. |
| 2006 |
Kulturlandschaft Dresdner Elbtal |
Deutschland |
K |
2004 |
Der Bau der Waldschlößchenbrücke könnte den städtebaulichen Zusammenhang der Tallandschaft optisch zerstören. |
| 2006 |
Mittelalterliche Denkmäler im Kosovo: Kloster Dečani, Patriarchenkloster Peć, Kloster Gračanica und Kirche der Jungfrau von Ljeviša |
Kosovo |
K |
2004/2006 |
Die rechtliche Situation ist unklar und die Sicherheitslage instabil. |
| 2007 |
Galápagos-Inseln |
Ecuador |
N |
1978 |
Zunehmender Tourismus führt dazu, dass immer mehr fremde Spezies eingeschleppt werden. |
| 2007 |
Archäologische Stätten von Samarra |
Irak |
K |
2007 |
Kuppel und Minarette des Al-Askari-Schreins wurden durch Bombenanschläge zerstört. |
| 2007 |
Nationalpark Niokolo-Koba |
Senegal |
N |
1981 |
Der Park leidet unter Wilderei und ein Dammbauprojekt am Gambia könnte die regelmäßigen Überflutungen des Graslands verhindern. |
Folgende Welterbestätten standen in der Vergangenheit auf der Roten Liste, sind aber inzwischen wieder gestrichen worden.
- ↑ Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturgutes der Welt, Art. 11 Absatz 4
- ↑ Operational Guidelines for the Implementation of the World Heritage Convention (amtlicher Text auf Englisch), Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (deutsche Übersetzung)
- ↑ Richtlinien, Ziffern 177-191
- ↑ Richtlinien, Ziffern 192-198
- ↑ Oman's Arabian Oryx Sanctuary : first site ever to be deleted from UNESCO's World Heritage List, Presseerklärung des Welterbekomitees vom 28. Juni 2007
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