Olympische Sommerspiele 1972.html

 
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XX. Olympische Sommerspiele
Logo München 1972
Teilnehmende Mannschaften 122
Teilnehmende Athleten 7113
Wettbewerbe 195 in 21 Sportarten
Eröffnung 26. August 1972
Schlussfeier 11. September 1972
Eröffnet durch Gustav Heinemann
(Bundespräsident)
Olympischer Eid Heidi Schüller (Leichtathletin)
Heinz Pollay (Kampfrichter)
Olympische Fackel Günter Zahn
Medaillenspiegel
Platz Land G S B Gesamt
1 Sowjetunion 50 27 22 99
2 Vereinigte Staaten 33 31 30 94
3 DDR 20 23 23 66
4 BR Deutschland 13 11 16 40
5 Japan 13 8 8 29
6 Australien 8 7 2 17
7 Polen 7 5 9 21
8 Ungarn 6 13 16 35
9 Bulgarien 6 10 5 21
10 Italien 5 3 10 18
26 Schweiz 3 3
31 Österreich 1 2 3
Vollständiger Medaillenspiegel

Die Olympischen Sommerspiele 1972 (offiziell Spiele der XX. Olympiade genannt) wurden vom 26. August bis zum 11. September 1972 in München ausgetragen. Die meisten Wettkämpfe fanden auf dem Olympiagelände München statt, mit dem Olympiastadion als zentraler Arena. Mit 122 teilnehmenden Mannschaften und mehr als 7.000 Athleten stellten die Spiele von München einen neuen Teilnehmerrekord auf.

Überschattet wurden die Spiele durch die Geiselnahme und Ermordung israelischer Athleten, die Spiele wurden anschließend nach einem Trauertag trotzdem fortgesetzt.

Der herausragende Sportler der Spiele war der US-amerikanische Schwimmer Mark Spitz, der sieben Goldmedaillen gewann. Die Kunstturnerin Karin Janz aus der Deutschen Demokratischen Republik war mit zwei Gold-, zwei Silber- und einer Bronzemedaille die erfolgreichste deutsche Athletin.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Wahl des Austragungsortes

1. Wahlgang 2. Wahlgang
München 21 31
Montreal 16 15
Madrid 16 13
Detroit 6
Enthaltungen 2

Die Idee, München zum Austragungsort der Olympischen Sommerspiele zu machen, stammte von Willi Daume, dem Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees. Am 28. Oktober 1965 teilte er dem Münchener Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel seine Pläne mit. Viele Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) seien nach der Trennung der deutschen Olympiamannschaft bereit, sich für die Bundesrepublik Deutschland einzusetzen. Die Aussichten, die Spiele ins eigene Land zu holen, seien deshalb gut, aber in Frage käme dafür nur München. Hans-Jochen Vogels Einwand, München besitze praktisch keinerlei Anlagen für Olympische Spiele, entgegnete Willi Daume mit der Feststellung, dies sei eher ein Vorteil, weil das IOC lieber neue Stadien sehe als alte. Dem Oberbürgermeister war schnell klar, dass München damit eine große Chance geboten wurde.

Im Falle eines Erfolges würden auf die Stadt eine sechsjähriger Phase enormer Belastungen und ein hoher finanzieller Aufwand zukommen. Auf der anderen Seite würden aber in einem kurzen Zeitraum und mit einem festen Fertigstellungstermin viele neue Anlagen geschaffen, welche die Stadt seit langem benötige. Da die Austragung der Olympischen Spiele in München also eine zusätzliche Schubkraft für die Entwicklung der Stadt bedeuten würde, stimmte der Oberbürgermeister der Bewerbung zu. Binnen weniger Wochen folgte auch die Zustimmung des Bundes, des Landes, des Nationalen Olympischen Komitees und auch des Stadtrats. Die Bewerbung wurde am 31. Dezember 1965 eingereicht, obwohl das IOC die Frist auf Bitten aus Wien, Amsterdam und Detroit bis zum 20. Januar 1966 verlängert hatte. Während der 65. IOC-Sitzung in Rom fiel am 26. April 1966 die Entscheidung. Zur Wahl standen Detroit, Madrid, Montreal und München. 61 stimmberechtigte IOC-Mitglieder waren anwesend; um ein endgültiges Ergebnis zu erzielen, mussten mindestens 31 Mitglieder für eine Bewerberstadt stimmen.

Bearbeiten Organisation

Das Nationale Olympische Komitee für Deutschland beschloss am 19. Mai 1966 in Kassel die Gründung des „Organisationskomitees der XX. Olympischen Spiele München 1972 e.V.“, welches sich am 3. Juli 1966 im Münchener Rathaus konstituierte. Zu den 17 Gründungsmitgliedern gehörten unter anderem Bundesinnenminister Paul Lücke, der bayerische Kultusminister Ludwig Huber und Hans-Jochen Vogel als Oberbürgermeister von München. 1968 wuchs das Organisationskomitee durch die Berufung der Vertreter der olympischen Fachverbände auf 38 Mitglieder an. 1972, im Jahr der Olympischen Spiele, war Willi Daume Präsident des Organisationskomitees, Hans-Dietrich Genscher, Ludwig Huber und Hans-Jochen Vogel fungierten als Vizepräsidenten. Schirmherr war Gustav Heinemann, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Nachdem vorübergehend nur eine Geschäftsstelle existierte, nahm am 1. Januar 1967 das Generalsekretariat seine Arbeit auf. Dieses verfügte über 13 Abteilungen, die jeweils in Referate unterteilt waren. Insgesamt waren hier mehrere Hundert Mitarbeiter beschäftigt.

Haltestelle Olympiazentrum

Die wichtigste Aufgabe der Abteilung „Verkehr“ war der Bau der Linie U3 im Netz der Münchener U-Bahn. Nach der Vergabe der Spiele an die bayerische Landeshauptstadt galt es, ein leistungsfähiges Verkehrsnetz aufzubauen. Der Stadtrat änderte mit seinem Beschluss vom 16. Juni 1966 die bisherigen Planungen und beschloss, dem Zubringer zum Olympiagelände Vorrang einzuräumen. Die eigentlich für das Jahr 1974 vorgesehene Eröffnung des ersten Netzabschnittes musste deutlich vorgezogen werden. Am 8. Mai 1972 erfolgte schließlich die Aufnahme des Betriebs auf der Münchener U-Bahnlinie U3 zwischen Münchner Freiheit und Olympiazentrum, nachdem zehn Tage zuvor auch die S-Bahn ihren Betrieb aufgenommen hatte. Diese führte bis zum eigens gebauten aber heute aufgegebenen Bahnhof München Olympiastadion. Um dem Betrieb mit den erhöhten Anforderungen während der Olympischen Spiele gerecht zu werden, lieh man von der VAG aus Nürnberg vier Züge aus, die zu den Münchener Wagen weitestgehend baugleich waren. Während der Spiele verkehrte die U3 stets im Fünf-Minuten-Takt, bei wichtigen Veranstaltungen sogar im Zweieinhalb-Minuten-Takt. In 17 Tagen wurden etwa vier Millionen Besucher befördert.

Bei der Finanzierung der Olympischen Spiele unterschied das Organisationskomitee zwischen „olympiabedingten Belastungen“ und „Investitionen“. Schon vor der Bewerbung war vereinbart worden, dass Bund, Land und Stadt je ein Drittel der Investitionen tragen, während das Organisationskomitee seinen Aufwand voll aus eigenen Einnahmen decken sollte. 1969 entschloss sich der Bund, seinen Anteil auf 50 Prozent zu erhöhen, wodurch die Quoten für Land und Stadt auf je 25 Prozent sanken. Das bedeutete für München eine erhebliche Entlastung. Die Eigenfinanzierung erfolgte hauptsächlich über das olympische Münzprogramm, das der Deutsche Bundestag am 5. Februar 1969 beschlossen hatte. Das Gesetz beinhaltete die Herausgabe von fünf silbernen Münzen im Nennwert von zehn DM. Diese wurden von den Sammlern begeistert aufgenommen, sodass sich der Münzgewinn auf mehr als 731 Millionen DM belief. Davon kamen acht Millionen DM dem Organisationskomitee zugute, 640 Millionen DM wurden zur Finanzierung der Wettkampfstätten verwendet. Die zweite große Einnahmequelle waren die Olympia-Lotterie und die GlücksSpirale, bei denen es sich um eine Geld- und Sachwertlotterie handelte. Bei einem Lospreis von fünf DM betrug der Zweckertrag bis zum Jahr 1974 etwa 250 Millionen DM. Weitere Einnahmequellen waren die Ausgabe von insgesamt 29 Briefmarken in sieben Serien und verschiedene Gedenkmedaillen. Sie und die normalen Einnahmen des Organisationskomitees erbrachten die Summe von rund 1,28 Milliarden DM. Weil fast zwei Milliarden DM benötigt wurden, musste nur rund ein Drittel der gesamten Kosten von den Steuerzahlern getragen werden.

Bearbeiten Fackellauf

Der olympische Fackellauf, der auf eine Idee von Carl Diem zurückgeht, war erstmals 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin durchgeführt worden. 1972 wurde in Griechenland eine Olympische Fackel entzündet und durch 5.917 Fackelläufer zur Eröffnungsveranstaltung nach München getragen. Der Lauf führte durch acht Länder über eine Distanz von 5.532 Kilometern. Verantwortlich für die Organisation des Laufes war Hans von der Planitz, Reichstrainer der deutschen Marathonläufer in den 1930er Jahren. Einer seiner Mitarbeiter war Fritz Schilgen, der Schlussläufer des Fackellaufes von 1936.

Die Fackel für das Olympische Feuer in Kiel-Schilksee

Der Lauf begann am 28. Juli um 12:00 Uhr in Olympia, erster Fackelträger war der griechische Basketballspieler Ioannis Kirkilessis. Im Anschluss führte der Lauf unter anderem über die Stationen Athen (29. Juli), Delphi (30. Juli), Istanbul (7. August), Belgrad (17. August) und Kufstein (24. August). Am 26. August um 16:20 Uhr erreichte die Fackel das Olympiastadion in München. Schlussläufer des Fackellaufes war der Leichtathlet Günter Zahn, er entzündete die Olympische Flamme während der Eröffnungsveranstaltung. Nach Augsburg zu den Wettbewerben im Kanusport wurde die Flamme am 27. August gebracht, letzter Fackelträger war Karl-Heinz Englet, Weltmeister im Kanu-Slalom. Am 28. August traf das Feuer in Kiel-Schilksee ein, letzter Träger war hier der Schüler Philipp Lubinius. Die Fackel durchquerte während des Laufes Griechenland, die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien, Ungarn und Österreich, bevor sie schließlich in Deutschland eintraf.

Die von der Firma Hagri in Kettwig im Auftrag der Krupp GmbH hergestellte Fackel aus Edelstahl bestand aus Griff, Teller und Brennrohr. Eingraviert waren das Spiralemblem in der oberen Abdeckschale des Tellers, die Olympischen Ringe mit dem Text „München 1972 Spiele der XX. Olympiade“ auf dem Handrohr sowie das Zeichen und der Name der Spenderfirma Krupp auf dem Boden der Verschlusskapsel. Die Fackel ist 75 Zentimeter groß und wiegt 1.350 Gramm, insgesamt wurden 6.700 Exemplare angefertigt.

Bearbeiten Visuelles Erscheinungsbild

Unter der Leitung von Otl Aicher wurde ein visuelles Erscheinungsbild entwickelt, von dem die Sportpiktogramme, die Plakate und das Logo zum Maßstab für alle späteren Spiele und viele andere Erscheinungsbilder wurden. Hausschrift war die Univers 55; im Farbschema wurde auf die Farbe Rot verzichtet, da dies die Farbe der Diktatoren sei.

Bearbeiten Das Logo

Für das Logo wurden aus der Bevölkerung 2.332 Entwürfe eingereicht, die das Organisationskomitee jedoch nicht befriedigen konnten. Daraufhin beauftragte das Komitee die Gruppe unter der Leitung von Otl Aicher. Eine Jury entschied sich dann für den Entwurf mit Strahlenkranz und überlagerter Spirale, welcher den Begriff „Strahlendes München“ zum Ausdruck bringen sollte. Heute wird das Logo noch von der GlücksSpirale verwendet, allerdings farblich abgewandelt.

Bearbeiten Das Maskottchen

Erstmals bei Sommerspielen gab es ein offizielles Olympiamaskottchen. Willi Daume hatte die Idee, einen Dackel als Maskottchen zu verwenden, weil er selbst Besitzer eines Dackels war. So entstand „Dackel Waldi“, als Modell diente eine 84 Tage alte Hündin namens „Cherie von Birkenhof“. Die Wahl fiel auf einen Dackel, weil diese Hunde Zähigkeit, Beweglichkeit und Widerstandsfähigkeit besitzen. Außerdem galt es im Ausland als typisch deutsches Tier. Die Fellfarbe des Maskottchens zeigen alle verwendeten Farben des Erscheinungsbildes, die stellvertretend für die bayerische Landschaft sein sollen. Blau stand für den Sommerhimmel, Grün für die Alpenwiesen, Silber für die spiegelnden Seen, und Gelb wurde als Stimulans empfunden.

Bearbeiten Olympische Standorte

Bearbeiten Wettkampfstätten

Die Wettkampfstätten lagen zum Großteil im Großraum München. Das zentrale Gelände, der „Olympiapark“ auf dem nördlichen Teil des Oberwiesenfeldes, vereinte die größten Sportanlagen. Das Konzept der „Olympischen Spiele im Grünen“, hatte zur Folge, dass die Architektur der olympischen Bauten vom Standort der Grünanlagen bestimmt wurde. Das Architektenbüro um Günter Behnisch und Partner entwickelte den Gesamtentwurf für das Sport- und Erholungsgebiet, dessen Bau von 1968 bis 1972 dauerte. Insgesamt wurden für die Olympischen Spiele mehr als zwei Milliarden DM in den Bau neuer Sportstätten und des Olympischen Dorfes investiert.

Der Olympiapark in München auf einem Briefmarkenblock der Deutschen Bundespost

Das Zentrum der Sportanlagen bildet das Olympiastadion, welches damals etwa 77.000 Zuschauern Platz bot und eine 400 Meter lange Laufbahn besitzt. Dort wurden alle Wettbewerbe in der Leichtathletik ausgetragen. Außerdem fanden dort Wettkämpfe im Reiten und einige Begegnungen im Fußball statt. Des Weiteren war es der Veranstaltungsort der Eröffnungs-, der Trauer- und der Abschlusszeremonie. Das Architektenbüro um Günter Behnisch entwarf auch die Schwimmhalle im Olympiapark mit einem 50-Meter-Becken sowie 9.182 Zuschauerplätzen. Hier wurden alle Wettbewerbe im Schwimmen und Wasserspringen sowie einige Wasserball-Spiele ausgetragen, dazu das 300-Meter-Freistilschwimmen im Modernen Fünfkampf. Im heutigen Eissportzentrum mit 7.360 Zuschauerplätzen fanden die Wettkämpfe im Boxen statt. 1970 bis 1972 wurde nach Plänen von Herbert Schürmann das Radstadion mit einem 285,714 Meter langen Holzoval errichtet, Austragungsort der Bahnradwettbewerbe, bei denen 4.157 Zuschauer anwesend sein konnten. In der Olympiahalle, einer Sport- und Mehrzweckhalle nordöstlich des Olympiastadions, fanden die Wettbewerbe im Turnen und einige Begegnungen im Handball statt; das Fassungsvermögen lag bei 10.563 Plätzen. Im Olympiapark wurde des Weiteren der 4000-Meter-Geländelauf im Modernen Fünfkampf veranstaltet. Weitere Wettkampfstätten auf diesem Gelände waren das Hockeystadion mit 21.900 und die Volleyballhalle mit 3.680 Plätzen.

Radstadion im Olympiapark in München

Auch außerhalb des Olympiaparks kamen zahlreiche Sportstätten zu olympischen Ehren. Auf dem alten Münchener Messegelände auf der Schwanthalerhöhe wurden eine Gewichtheberhalle mit 3.297, eine Ringer-Judo-Halle mit 5.750 und zwei Fechthallen mit 3.198 bzw. 978 Zuschauerplätzen eingerichtet. In Hochbrück wurde eine Schießanlage mit 4.500 Plätzen für die Schießwettbewerbe und das Pistolenschießen im Modernen Fünfkampf errichtet. Im Englischen Garten in München fanden vor bis zu 1.100 Zuschauern die Wettkämpfe im Bogenschießen statt. Im Reitstadion in Trudering-Riem vor 23.000 und vor der Kulisse des Nymphenburger Schlosses vor 8.000 Zuschauern wurden die Reitwettbewerbe abgehalten. Auf dem Geländeparcours des Reitstadions in Riem wurde auch eine Disziplin im Modernen Fünfkampf ausgetragen. Die Basketball-Wettkämpfe wurden in der Rudi-Sedlmayer-Halle mit 6.635 Sitzplätzen durchgeführt. Im nicht überdachten Dantebad fanden einige Wasserball-Begegnungen statt, bei denen bis 3.200 Zuschauer anwesend sein konnten.

In Oberschleißheim wurde eine Regattastrecke für die Wettbewerbe im Rudern und Kanurennsport angelegt. Diese Strecke war 2000 Meter lang und bot 41.000 Menschen Platz. Der 660 Meter lange Augsburger Eiskanal mit Platz für 25.000 Zuschauer war Austragungsort der Wettkämpfe im Kanuslalom. Die Wettbewerbe im Segeln und die Demonstrationssportart Wasserski wurden in Kiel – im Olympiazentrum Schilksee – ausgetragen. In verschiedenen Stadien und Hallen in Augsburg, Göppingen, Ingolstadt, Nürnberg, Passau, Regensburg, Ulm sowie der Sporthalle Böblingen fanden Vorrundenspiele im Fußball und Handball statt.

Bearbeiten Unterkünfte

Blick auf das Olympische Dorf

Nördlich des Olympiastadions entstanden zwei Olympische Dörfer. Diese erstreckten sich entlang der Connollystraße, der Nadistraße, der Straßbergerstraße und des Helene-Mayer-Rings. Im Männerdorf fanden 11.715 Sportler und Betreuer Platz, im Frauendorf 1.772. Die Olympischen Dörfer waren vom 1. August 1972 bis zum 18. September 1972 geöffnet. Die größte Auslastung lag am 30. August vor, als sich 10.562 Athleten und Betreuer im Dorf befanden, davon 9.104 Männer und 1.458 Frauen. Bürgermeister und entsprechender Abteilungsleiter im Organisationskomitee war der deutsche Jurist Walther Tröger.

Das Dorf sollte ein Ort der Ruhe sein, an den sich die Sportler zurückziehen konnten. Zugleich ermöglichte es die kostengünstige Unterbringung und Verpflegung der Athleten und bot ihnen Trainingsmöglichkeiten sowie ein Unterhaltungsprogramm. Das Olympische Dorf der Männer hatte 2.995 Appartements, in denen je nach Typ zwischen zwei und sieben Athleten wohnten. Das Olympische Dorf der Frauen hatte 1.718 Appartements für je eine Sportlerin und nur neun Wohnungen für je sechs Athletinnen.

Bestandteil der Dörfer waren neben den Wohngebäuden und zahlreichen verschiedenen Trainingsplätzen auch ein Kindergarten, eine Kirche, eine Schule, verschiedene Einzelhandelsgeschäfte sowie Arztpraxen, Restaurants, Cafés und eine Cafeteria, in der 2.500 Sportler Platz fanden. Dort konnten sich die Athleten auch verpflegen. Darüber hinaus gab es verschiedene kulturelle Einrichtungen, beispielsweise einen Fernsehraum, Tischtennisplatten, einen Billardtisch, ein Theater mit 350 Plätzen und ein Kino mit 200 Plätzen.

Nach Ende der Olympischen Spiele wurde das Gelände des Männerdorfes zu einem normalen Wohngebiet umfunktioniert, der Wohnwert dieser Gegend gilt heute als sehr hoch. Das ehemalige Frauendorf wurde in der Folge als Studentenwohnheim genutzt. Ende 2007 begann der Abriss und Neubau des Frauendorfs, da die Bauschäden im Laufe der Zeit überhand genommen hatten.

Bearbeiten Teilnehmer

Teilnehmende Nationen 1972 in München. Grün markiert sind die Nationen, die schon einmal an Olympischen Spielen teilgenommen haben, blau sind diejenigen, welche zum ersten Mal teilnahmen.

Mit 122 teilnehmenden Mannschaften wurde in München ein neuer Teilnehmerrekord aufgestellt. Albanien, Saudi-Arabien, Nordkorea und Britisch-Honduras (das heutige Belize) feierten ihre Premieren bei Olympischen Sommerspielen. Die meisten Erstteilnahmen kamen jedoch aus Afrika. Gabun, Lesotho, Malawi, Somalia, Swasiland, Togo, Dahomey (das heutige Benin) und Obervolta (das heutige Burkina Faso) nahmen erstmals mit Athleten bei dieser sportlichen Großveranstaltung teil.

Auf seiner 70. Session 1970 in Amsterdam suspendierte das IOC das Nationale Olympische Komitee für Südafrika, das bereits von den Olympischen Spielen 1964 in Tokio und 1968 in Mexiko-Stadt ausgeschlossen worden war, weil es die Auflage nicht erfüllt hatte, die Diskriminierung der schwarzen Sportler zu unterbinden und eine Mannschaft mit weißen sowie schwarzen Sportlern aufzustellen.

Nach einem Beschluss vom September 1971 gestattete das IOC der früheren britischen Kolonie Rhodesien die Entsendung einer Olympiamannschaft mit Sportlern unterschiedlicher Hautfarben nach München. Die 46 Teilnehmer mussten jedoch wieder abreisen, als das IOC dem Boykottdruck von 27 schwarzafrikanischen Staaten nachgab, die ihrerseits mit ihrer Abreise drohten. Nach sechstägigen Verhandlungen entschied sich das IOC mit 36:34 Stimmen für den Ausschluss Rhodesiens.

Europa (4257)
Amerika (1453)
Asien (686)
Afrika (458)
Ozeanien (259)
(In Klammern: Zahl der teilnehmenden Athleten)

Bearbeiten Medaillen

Für die Olympischen Sommerspiele in München wurden insgesamt 1.109 Medaillen für die drei Erstplatzierten hergestellt. Diese teilen sich in 364 Gold-, 364 Silber- und 381 Bronzemedaillen auf. Entworfen wurde die Medaille von Giuseppe Cassioli und Gerhard Marcks, hergestellt vom Bayerischen Hauptmünzamt in München. Während von 1928 bis 1968 an dem Entwurf des italienischen Professors Giuseppe Cassioli festgehalten wurde, gestattete man dem Organisationskomitee in München, die Rückseite der Medaille selbst zu gestalten. Der Bildhauer Gerhard Marcks wählte als Abbildung für die Rückseite die antiken Halbbrüder Kastor und Polydeukes, die bei den Griechen als Schutzpatrone der Kampfspiele und Freundschaft galten. Auf der Vorderseite ist die Göttin des Sieges dargestellt, welche in ihrer linken Hand eine Palme und in ihrer rechten Hand eine Krone hält. Daneben prägte man die Inschrift „XX. Olympiade München 1972“.

Außerdem waren die Medaillen mit einem Durchmesser von 60 Millimeter an Ketten aus Gold, Silber oder Bronze befestigt. Erstmals wurden in den Medaillenrand der Name des Sportlers und die Disziplin eingraviert, in der die Medaille gewonnen worden war. Die Dicke betrug drei Millimeter, bei den Goldmedaillen wurde eine Goldauflage von sechs Gramm vorgeschrieben, der Silberanteil lag bei 92,5 Prozent. Insgesamt wurden bei 195 Wettbewerben in 21 Sportarten Medaillen vergeben.

Bearbeiten Sportarten, Zeitplan und Resultate

Insgesamt wurden 195 Wettbewerbe in 21 Sportarten ausgetragen. Wasserball und Wasserspringen waren beim Schwimmen enthalten. Der deutsche Grafiker Otl Aicher war Gestaltungsbeauftragter der Olympischen Sommerspiele. Er entwarf unter anderem die Piktogramme der einzelnen Sportarten, welche dazu dienten, ein internationales und vielsprachiges Publikum zu den Veranstaltungsorten der verschiedenen Sportarten zu leiten. Dargestellt sind die Wettkampftermine und die Anzahl der Goldmedaillenentscheidungen.

Zeitplan der Olympischen Sommerspiele 1972
August und September 26 27 28 29 30 31 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 Zuschauer
Eröffnung 62.592
Basketball 1 139.125
Bogenschießen 1 1 8469
Boxen 11 145.246
Fechten 1 1 1 1 1 1 1 1 26.181
Feldhockey 1 78.020
Fußball 1 556.582
Gewichtheben 1 1 1 1 1 1 1 1 1 33.623
Handball 1 123.204
Judo 1 1 1 1 1 1 51.813
Kanu 2 2 7 72.272
Leichtathletik 2 2 5 5 3 7 2 3 9 1.081.834
Moderner Fünfkampf 2 25.353
Radsport 1 1 1 1 2 1 39.609
Reiten 2 1 1 1 1 202.517
Ringen 10 10 72.821
Rudern 7 109.914
Schießen 2 1 1 2 2 20.600