Glauberg.html

 
ca de en es fr it nl no pl pt ru ro fi sv tr vo


 

Keltischer Grabhügel auf dem Glauberg/Hessen

Der Höhenrücken des Glaubergs (Höhe 271 m ü. NN) am Ostrand der Wetterau ist ein Basaltausläufer des Vogelsberges in Hessen. Er liegt zwischen dem Zusammenfluss von Nidder und Seemenbach und gehört zur Gemeinde Glauburg. Im Südwesten vorgelagert ist ihm das Enzheimer Köpfchen. Nach Nordwesten fällt er steil ins Niddertal ab, im Süden zieht sich vom Bergfuß eine gegliederte Hochfläche zum 2 km entfernten Seemenbach hin.

Durch seine natürlichen Gegebenheiten ist der Glauberg für eine Besiedlung und Befestigung hervorragend geeignet: Seine Kuppe überragt das Umland um 150 m und bildet ein fast ebenes Plateau von über 800 m Länge und 80 m bis fast 200 m Breite. Auf der Hochebene liegt ein kleiner Weiher, der nicht von einer Quelle gespeist wird, sondern vom abfließenden Oberflächenwasser gebildet wird. Er führte bis zu Sprengarbeiten nach dem letzten Krieg auch in trockenen Hochsommern stets Wasser.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Besiedlung und Befestigung

  • Das Plateau des Glaubergs wurde bereits seit der Jungsteinzeit in der Mitte des 5. Jahrtausends v. Chr. besiedelt.
  • Zu einer zweiten Besiedlungsphase kam es während der spätbronzeitlichen Urnenfelderkultur im 10. und 9. Jahrhundert v. Chr.
  • Die erste Befestigung entstand wahrscheinlich in frühkeltischer Zeit im 6. bis 5. Jahrhundert v.Chr. Offenbar reichte der Weiher auf dem Plateau nicht mehr zur Wasserversorgung aus, und es mussten schützende Mauern, so genannte Annexwälle hangabwärts bis zum Quellhorizont gebaut werden, so dass ein riesiges Wasserreservoir von 150 m Länge und 60 m Breite umschlossen wurde. Die Besiedlung des Glaubergs und seines Umlandes in keltischer Zeit (Hallstattzeit & frühe Latènezeit) wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in einem Schwerpunktprogramm zwischen 2004 und 2006 (DFG-SPP 1171) erforscht. Zurzeit ist die keltische Besiedlung des Glaubergs Teil des DFG-Schwerpunktprogrammes "Frühe Urbanisierungs- und Zentralisieriungsprozesse" (DFG-SPP 1171).
  • In römischer Zeit (1. bis 3. Jahrhundert n.Chr.) blieb der Glauberg unbesiedelt, vermutlich wegen seiner Nähe (5 km) zum Limes .
  • Im 4. bis 5. Jahrhundert hatte der Glauberg wieder zentrale Bedeutung als Höhensiedlung eines alemannischen Kleinkönigs.
  • Im 7. bis 9. Jahrhundert trug er eine fränkische Großburg.
  • Im 12. und 13. Jahrhundert wurde der Glauberg in das staufische Burgensystem eingegliedert, wobei ein turmartiges Burggebäude am Rande der Mauerbefestigung errichtet wurde, dessen Untergeschoss mit romanischem Torbogen noch erhalten ist. Aus dieser Zeit stammen auch die Fundamentreste mittelalterlicher Häuser am Nordrand des auf der ganzen Fläche besiedelten Plateaus.
  • Die Zerstörung der Burg und damit das Ende der Besiedlung des Glaubergs erfolgte wahrscheinlich im Jahr 1256.

Bearbeiten Der Keltenfürst vom Glauberg

Der Keltenfürst vom Glauberg (ca. 500 v. Chr.)
Rekonstruiertes Kalendarium aus 16 Holzpfählen am Glauberg

Schon seit Jahrzehnten forschen Archäologen am Glauberg nach den früheren Kelten. Bei einem Erkundungsflug im Jahr 1988 erkannten Heimatforscher am Südhang des Glaubergs die Spuren eines riesigen Grabhügels in einem Getreidefeld. Später wurde noch ein zweiter Grabhügel entdeckt, der durch geophysikalische Messungen lokalisiert werden konnte. Beide Hügel waren eingeebnet und vom Boden aus nicht zu erkennen. Zwischen 1994 und 1997 führte das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden, Ausgrabungen durch. Die Grabanlage wurde anschließend rekonstruiert und steht zur Besichtigung zur Verfügung.

Die reich ausgestatteten Gräber dreier keltischer Krieger aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. belegen die gehobene Stellung der Verstorbenen. Die Gräber werden zu den keltischen Fürstengräbern gezählt und gehören zu den prachtvollsten, die aus dieser Zeit bekannt sind. Eine weitere Sensation war die Entdeckung einer lebensgroßen Steinfigur eines Kriegers. Die bis auf die Füße vollständig erhaltene Stele (Statue) ist mit einer haubenartigen Kopfbedeckung versehen, die als (Mistel-)"Blattkrone" gedeutet wird und als Grabbeigabe in Grab 1 gefunden wurde. Da die Mistel laut antiker Autoren bei den Kelten eine wichtige kultische Bedeutung besaß, mag dies auf die Rolle des Bestatteten als Priester hinweisen. Diese Figur des „Keltenfürsten vom Glauberg“ ist bislang der bedeutendste Fund der Latènekultur in Hessen. Originalgroße Kopien der Statue können im Heimatmuseum in Glauburg sowie im Wetteraumuseum in Friedberg besichtigt werden. Fragmente von drei weiteren Statuen, die der ersten en detail gleichen, aber andere Proportionen aufweisen, wurden ebenfalls gefunden.

Die bedeutendsten Fundstücke aus den Gräbern selbst sind ein goldener Halsreif und eine keltische Schnabelkanne. Die Funde waren im Hessischen Landesmuseum Darmstadt bis zu dessen Schließung aufgrund von Renovierungsarbeiten ausgestellt und sind derzeit nicht zu besichtigen.

Weiterhin wurden am Fuß des großen Grabhügels Pfostenlöcher von 16 Holzpfosten gefunden, die möglicherweise zur astronomischen Bestimmung von Feiertagen verwendet wurden. Eine Rekonstruktion dieser europaweit einzigartigen Anlage eines keltischen Kalenderbauwerks wurde am 1. September 2007 eingeweiht. [1]

Im Herbst 2007 wurde mit dem Bau eines Keltenmuseums in der Nähe des Grabhügels am Glauberg begonnen. Die vom Land Hessen getragenen Kosten für den Bau sind mit rund 6 Millionen Euro veranschlagt. Seine Fertigstellung ist für Ende 2009 geplant. Dann werden dort alle Originalfunde einschließlich der Stele des keltischen Kriegers zu sehen sein.

Bearbeiten Einzelnachweise

  1. Rekonstruktion eines keltischen Kalenderbauwerks am Glauberg

Bearbeiten Literatur

  • Das Rätsel der Kelten vom Glauberg. Glaube - Mythos - Wirklichkeit. Eine Ausstellung des Landes Hessen in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, 24. Mai bis 1. September 2002 (Theiss-Verlag Stuttgart 2002), ISBN 3-8062-1592-8.
  • Ein frühkeltischer Fürstengrabhügel am Glauberg im Wetteraukreis. Bericht über die Forschungen 1994 - 1996. Hrsg. von der Archäologischen Gesellschaft in Hessen e.V. Wiesbaden 1998, ISBN 3-8982-2129-6.

Bearbeiten Weblinks

Koordinaten: 50° 18' 30" n. Br., 9° 0' 30" ö. L.

All Right Reserved © 2007, Designed by Stylish Blog.