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Die germanischen Sprachen sind ein Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Sie umfassen etwa 15 Sprachen mit rund 500 Millionen Muttersprachlern, über 700 Millionen einschließlich der Zweitsprecher. Ein charakteristisches Phänomen aller germanischen Sprachen gegenüber den anderen indogermanischen Sprachen sind die Veränderungen im Konsonantismus durch die Germanische Lautverschiebung. Dieser Artikel dient der Gesamtdarstellung der germanischen Sprachen. Auf Untergruppen und einzelne Sprachen und ihre Dialekte wird verwiesen. Die germanische Protosprache wird in einem separaten Artikel behandelt.
Bearbeiten Die großen germanischen SprachenInsgesamt acht germanische Sprachen besitzen jeweils mehr als eine Million Sprecher.
Weitere germanische Sprachen mit jeweils mehr als einer Million Sprechern sind:
Bearbeiten Die West-Nord-Ost - Gliederung der germanischen SprachenDie germanischen Sprachen werden in der Regel in West-, Nord- und Ostgermanisch eingeteilt (siehe unten die ausführliche Klassifikation). Die Sprachgrenze zwischen Nord- und Westgermanisch wird heute durch die deutsch-dänische Grenze markiert und lag früher etwas weiter südlich an der Eider. Innerhalb der beiden großen Sprachgruppen gibt es fließende Übergänge durch lokale Dialekte. Zu den westgermanischen Sprachen gehören: Deutsch, Jiddisch, Luxemburgisch, Pennsylvanisch, Niederländisch, Afrikaans, Englisch und Friesisch. Dazu gehören: Schwedisch, Dänisch, Norwegisch, Färöisch und Isländisch. Alle ostgermanischen Sprachen sind ausgestorben. Die bestüberlieferte ostgermanische Sprache ist Gotisch. Bearbeiten Die Klassifikation der germanischen SprachenBearbeiten Einteilung der heutigen germanischen SprachenDer germanische Zweig des Indogermanischen umfasst heute 14 Sprachen mit zusammen rund 500 Millionen Sprechern. Einige dieser Sprachen werden von manchen Forschern nur als Dialekte betrachtet (siehe unten). Diese 14 Sprachen können nach dem Grad ihrer Verwandtschaft wie folgt klassifiziert werden:
Die Grundlage dieser Klassifikation ist der unten angegebene Weblink „Klassifikation der indogermanischen Sprachen“, der für das Germanische vor allem auf Robinson 1992 basiert. Die aktuellen Sprecherzahlen entstammen Ethnologue 2005 und offiziellen Länderstatistiken. Luxemburgisch, Plautdietsch und Pennsylvanisch werden nicht von allen Forschern als eigenständige Sprachen anerkannt, während andere Forscher wiederum Schwyzerdütsch als weitere westgermanische Sprache betrachten. Skandinavisten werten manchmal die Varianten des Norwegischen (Bokmål und Nynorsk) als separate Sprachen, wobei Nynorsk dann eher der Gruppe Isländisch-Färöisch zuzuordnen ist. Bearbeiten Historische KlassifikationWährend die obige Klassifikation lediglich eine Gliederung der heute existierenden germanischen Sprachen bietet, soll folgende Darstellung einen historischen Einblick vermitteln, da auch die ausgestorbenen germanischen Sprachen aufgeführt werden. Nicht belegte, aber erschließbare Zwischenglieder sind durch * gekennzeichnet. Insbesondere über die historische Gliederung der westgermanischen Sprachen gibt es bisher keinen vollständigen Konsens, die folgende historisch orientierte Darstellung (nach Maurer 1942, dtv-Atlas Deutsche Sprache 2001) gibt aber die mehrheitlich vertretene Forschungsrichtung wieder. Dabei wird das Westgermanische nicht als ursprüngliche genetische Einheit aufgefasst, es hat sich erst später aus seinen Komponenten Nordseegermanisch, Weser-Rhein-Germanisch und Elbgermanisch durch Konvergenz herausgebildet. Aus dieser Darstellung wird auch klar, dass die Dialekte des Deutschen verschiedenen Zweigen des „Westgermanischen“ angehören, Deutsch also nur in Form seiner Dialekte in einen historischen germanischen Stammbaum integrierbar ist.
Bearbeiten Problemfall DeutschDer offensichtliche „Problemfall“ dieser historischen Klassifikation ist das Deutsche, besonders das Hochdeutsche. Die drei historischen Stadien - Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch - sind nur als Vereinigung von Dialekten greifbar, die verschiedenen Zweigen der obigen Klassifikation angehören. So ist Althochdeutsch eine Zusammenfassung altmitteldeutscher und altoberdeutscher Dialekte und Dialektgruppen:
Mittelhochdeutsch setzt sich ebenfalls aus mittel- und oberdeutschen Dialekten zusammen:
Das Neuhochdeutsche entwickelt sich aus mittel- und oberdeutschen Dialekten. Details im Artikel Deutsche Sprache. Bearbeiten Germanische WortgleichungenDie folgenden Tabellen stellen einige Wortgleichungen aus den Bereichen Verwandtschaftsbezeichnungen, Körperteile, Tiernamen, Umweltbegriffe, Pronomina, Verben und Zahlwörter für wichtige alt- und neugermanische Sprachen zusammen. Man erkennt den hohen Grad der Verwandtschaft der germanischen Sprachen insgesamt, die besondere Ähnlichkeit der westgermanischen und nordgermanischen Sprachen untereinander, die stärkere Abweichung des Gotischen von beiden Gruppen und letztlich die Beziehung des Germanischen zum Indogermanischen (letzte Spalte, hier sind die Abweichungen natürlich größer). Hier können auch die Gesetze der germanischen (ersten) und hochdeutschen (zweiten) Lautverschiebung überprüft werden (ausführliche Behandlung im nächsten Abschnitt). Germanische Wortgleichungen I - Nomina
° = etwas andere Bedeutung, * = hypothetische Protoform Germanische Wortgleichungen II - Pronomina, Verben, Zahlwörter
** Präfix ge- als „beenden“: ge-rinnen beendet das Rinnen, ge-bären beendet die Bürde (Tragzeit), ge-langen beendet den langen Weg Quelle dieser Tabellen ist der unten angegebene Weblink „Germanische Wortgleichungen“, der wiederum auf der Basis mehrerer etymologischer Wörterbücher zusammengestellt wurde, darunter Kluge 2002, Onions 1966 und Pokorny 1959. Bearbeiten Germanische LautverschiebungDie germanischen Sprachen sind durch eine gemeinsame Lautverschiebung im Konsonantismus als Unterfamilie des Indogermanischen zu definieren (die sog. Erste oder Germanische Lautverschiebung). Die folgende Tabelle bringt Wortgleichungen, die diesen Übergang von den indogermanischen zu den entsprechenden protogermanischen Konsonanten belegen. Da auch die hochdeutschen Parallelen angegeben sind, belegt die Tabelle auch die Zweite Lautverschiebung vom (Proto-)Germanischen zum Hochdeutschen. Rekonstruierte protogermanische und indogermanische Formen sind durch * gekennzeichnet, entsprechende Konsonanten durch Fettdruck hervorgehoben.
Während z.B. das Lateinische und Griechische die „indogermanischen“ Konsonanten weitgehend erhalten, erfährt das Germanische einen lautgesetzlichen Wandel der Tenues /p, t, k/, Mediae /b, d, g/ und Mediae-Aspiratae /bh, dh, gh/. Das Englische und das Niederdeutsche konservieren bis heute diese „germanischen“ Konsonanten, dagegen erfolgt beim Übergang zum Hochdeutschen eine zweite Lautverschiebung dieser Konsonantengruppe. Insgesamt ergeben sich folgende Lautgesetze: Germanische und hochdeutsche Lautverschiebung
Bearbeiten Bemerkungen zur SprachgeschichteBearbeiten Protogermanisch und seine AbspaltungenEinige Forscher gehen davon aus, dass das Protogermanische mit den Vorläufern der baltischen und slawischen Sprachen eine Dialektgruppe innerhalb der indogermanischen Sprachen bildete. Das Protogermanische löste sich dann aus dieser Gruppe, wobei es möglicherweise von einer uralischen Sprache beeinflusst wurde. Zudem weist das Germanische eine auffallend eigenwillige Verwendung einiger indogermanischer Erbwörter auf (Beispiel: sehen = [mit den Augen] folgen, vgl. Lateinisch sequi). Durch sprachwissenschaftliche Vergleiche konnte die protogermanische Sprache (auch „Urgermanisch“ oder „Gemeingermanisch“) weitgehend rekonstruiert werden. Die so erschlossene Sprache wurde bis zum Zeitpunkt der beginnenden Auflösung der germanischen Spracheinheit etwa 100 v. Chr. gesprochen (gemeingermanische Sprachperiode). Die westgermanischen und die nordgermanischen Sprachen trennten sich im 1. Jahrhundert n. Chr. Schon etwas früher spaltete sich das ausgestorbene, fast nur durch das Gotische überlieferte Ostgermanische ab. Die älteste Form der nordgermanischen Sprachen wird Altnordisch genannt. Diese Vorform der heutigen skandinavischen Sprachen ist in Runendenkmälern sowie der reichen Literatur des mittelalterlichen Skandinaviens bezeugt. Bereits vor der frühesten Überlieferung der altnordischen Sprache teilte sich diese in Altwestnordisch und Altostnordisch. Aus dem ersten Zweig gingen das heutige Isländische und Färöische hervor, aus dem zweiten Zweig das heutige Dänische und Schwedische. Aufgrund des jahrhundertelangen Einflusses der dänischen Herrscher auf das Königreich Norwegen gilt dessen heutige Amtssprache Bokmål ebenfalls als ostnordisch, während die Dialekte Westnorwegens, aus denen der Sprachforscher Ivar Aasen die zweite Amtssprache Norwegens, das Nynorsk, schuf, dem westnordischen Zweig angehören. Bearbeiten Wortschatz, LehnwörterDer protogermanische Wortschatz enthält eine Reihe von Lehnwörtern nicht-germanischen Ursprungs. Häufungen von Lehnwörtern gibt es besonders in den Bereichen sozialer Organisation sowie Navigation und Schifffahrt. Dies kann eine Beeinflussung durch eine zuvor im späteren germanischen Siedlungsgebiet vorhandene Sprache (Substrat) und/oder eine Entstehung des Germanischen als Einwanderersprache nahelegen. Lehnwörter belegen auch nähere Beziehungen zu den keltischen Sprachen. Das Finnische und andere uralische Sprachen haben bereits früh germanische Wörter entlehnt und in nahezu unveränderter Form bis heute bewahrt, so (im Finnischen) die Worte kuningas (König) - Germanisch: kuningaz - und rengas (Ring) - Germanisch: hrengaz; in beiden Wörtern steht /z/ für stimmhaftes /s/. Bearbeiten ArtikelDas Germanische kannte ursprünglich weder den bestimmten noch den unbestimmten Artikel, ebenso wenig wie das Lateinische. Das Westgermanische und das Nordgermanische bildete dann die bestimmten Artikel „der“, „die, und „das“ aus den Demonstrativpronomen. Die unbestimmten Artikel wurden in den westgermanischen und in den meisten nordgermanischen Sprachen (wie in den romanischen Sprachen) aus dem Zahlwort "1" gebildet. Das moderne Isländisch hat keinen unbestimmten Artikel entwickelt. Siehe auch: Artikel (Wortart). Bearbeiten Siehe auchBearbeiten LiteraturBearbeiten Allgemeines
Bearbeiten Etymologische Wörterbücher
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